3: OTTO VON PASSAU – DIE VIERUNDZWANZIG ALTEN –

Deutsche Handschrift auf Papier. Dat. 1429. Fol. (ca. 30 x 23 cm). Mit einigen eingemalten Initialen in Rot; durchgehend rubriziert. Ca. 180 Bl. Zweispaltig. Schriftspiegel: ca. 20,5 x 15,5 cm. Beschäd. Ldr. d. Zt. (mit spät. Papierrücken mit beschriftetem Signaturschildchen "Gotüsch von dem H. Gebett. N. 121"). (106)
Startpreis: 3.000 - 4.500,- €


Abschrift des Erbauungsbuches „Die vierundzwanzig Alten“, durch den Kolophon „finitus est liber iste in festo S(an)c(t)i Gregorii Anno D(omi)ni MCCCCXXIX“ auf das Jahr 1429 datiert. Das Papier mit dem Wasserzeichen eines Ochsenkopfs, ähnlich Piccard 64622 (München 1398) und Piccard 64624 (Tegernsee 1399), weist auf eine Entstehung in Bayern. Der Text ist zweispaltig in einer gleichmäßigen Bastarda geschrieben, die Kapitelüberschriften in einer gotischen Buchminuskel. Die größeren Initialen an den Kapitelanfängen wurden nur teilweise eingemalt, jedoch von einer zeitgenössischen Hand; eine ist mit einem kleinen Droleriekopf geziert, wenige mit Blattmotiven.

Der Text wurde von Otto von Passau verfasst, der zwischen 1362 und 1385 als Lektor und Kustos des Basler Franziskanerkonventes nachweisbar ist. Die 24 Alten der Johannesapokalypse vertreten in ihren an die „minnende Seele“ gerichteten Reden, die auf Sentenzen älterer Autoren basieren, eine das gesamte christliche Leben umfassende Lehre. Die älteste bekannte Abschrift des Textes, 1383 datiert, stammt vom Oberrhein. Von dort aus verbreitete sich die Schrift rasch im süddeutschen Raum und in der Schweiz. Die wichtige Schrift der deutschen Mystik ist in über 150 Handschriften überliefert und wurde 1480 erstmals gedruckt.

In unserem Codex ist ein alter Besitzvermerk auf dem vorderen Spiegel teilweise ausgekratzt, so dass seine ursprüngliche Bibliotheksheimat nicht mehr zu erkennen ist: „Diß Buoch gehört in die gemainen Teutschen Libereij zu d(em) Gotzhauß.“ – Laut auf dem Spiegel montierten Etikett befand sich der Band zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Besitz von Maximilian Joseph Pfeiffer (1875-1926), der 1912 als Bibliothekar an der Hof – und Staatsbibliothek in München gewirkt hatte und von 1921-1926 Deutscher Gesandter in Wien war. – Eng gebunden, die Deckel etw. sperrend (wohl aufgrund der späteren Überklebung des Rückens), am Beginn 5 Bl. sowie das letzte Bl. beschädigt (mit etw. Textverlust) und tls. lose, das vorletzte Bl. gelockert und angeschmutzt, ein Bl. mit in jüngerer Schrift ergänztem Text, sonst wohl keine Lücken im Text; anfangs mit Fraßspuren am Rand sowie im Bundsteg etw. wasserrandig, mehrere Bl. mit tls. alt ergänzten Randausrissen im Fußsteg, viele mit Einriss, tls. bis in den Schriftspiegel, etw. fingerfleckig und leicht fleckig. – Nahezu komplette, 1429 datierte Überlieferung einer der wichtigsten Quellen zur Frömmigkeits – und Geistesgeschichte des Spätmittelalters.

German manuscript on paper. Dated 1429. With some painted initials in red; rubricated throughout. Approx. 180 ff. – Copy of the edification book „The 24 Elders“ dated by the colophon to the year 1429. The paper with the watermark of an ox’s head, similar to Piccard 64622 and Piccard 64624, indicates its origin in Bavaria. The text is written in two columns in a regular bastarda, the chapter headings in a Gothic book minuscule. The original text was written by Otto von Passau, who is documented as a lector and custodian of the Basel Franciscan convent between 1362 and 1385. – In our codex, an old ownership note on the front pastedown has been partially scratched out, so that its original library home can no longer be recognised. – According to a label mounted on the pastedown, the book belonged to Maximilian Joseph Pfeiffer, who was a librarian at the Court and State Library in Munich in 1912, and from 1921 to 1926 German envoy in Vienna. – Tightly bound, 5 leaves at the beginning and the last leaf damaged (loss of text) and partly loose, next to last leaf loosened and soiled, one leaf supplemented with more recent hand writing, otherwise apparently no gaps in the text; at the beginning with feeding traces in the margins and water stain at the inner margin, several sheets with old remargined damages at the bottom margin, many tears (partly into the text), with some fingerprints and slightly soiled. – Nearly complete tradition, dating from 1429, of one of the most important sources on the piety and intellectual history of the late Middle Ages. – Damaged contemporary calf (later paper spine with inscribed label).