104: NAPOLEONISCHE KRIEGE – BRIEFE EINES FRANZÖSISCHEN OFFIZIERS –

17 e. Briefe mit U., bzw. paraphiert, von Édouard Blanchard, Kriegskommissar der Division Molitor, an seine Familie. Dat. Greifswald, Berlin, Nancy und Paris, April – Dezember 1808. 4º (ca. 23 x 19 cm). Zus. ca. 64 S. – Meist Doppelbl., rückseitig adressiert. (91)
Startpreis: 160 - 250,- €


Historisch bedeutsame Berichte eines Militärs aus dem von den Napoleonischen Truppen besetzten Norddeutschland. Blanchard gehörte zur Division Molitor, als deren Kriegskommissar er u. a. für Logistik, Versorgung, Nachschub und Bewaffnung zuständig war. Selbst ein ranghoher Offizier, erfuhr er aus erster Hand von Verhandlungen, etwa dem Erfurter Fürstenkongress (1808) und von den neuesten Entwicklungen des Kriegsgeschehens in ganz Europa. Von Rostock nach Greifswald, das 1807 durch Molitor erobert worden war, hatte ihn der Ordonnateur en Chef Monnar mit Schreiben vom 11. Januar 1808 versetzt (liegt bei), um sich dort zu kurieren. Die von ihm selbst durchnummerierten Briefe (183-185, 189/190, 194/195, 199, 201/202, 222, 241, 244, 245, 249 und 250 und ein undatierter ohne Nummer) zeugen von einer außergewöhnlich regen Korrespondenz. Blanchard schrieb an seine Schwester und seinen Schwager, einen Quartiermeister der Invalidentruppen in Avignon, namens Benoît. – Einzelne Siegelausrisse und Randläsuren, tls. leicht gebräunt, wenig fleckig.

Zwei Beilagen: I. Ein Brief des preußischen Finanzbeamten H. von Béguelin (1765-1818), Berlin, 28. 3. 1810, 1/2 Seite. An einen „Monsieur“, dem er verspricht, er werde sich auch gegenüber Finanzminister Karl Sigmund Franz Freiherr vom Stein zum Altenstein für ihn einsetzen.

II. Ein Brief an den preußischen Offizier Friedrich Wilhelm von Mauvillon (1774-1851), aus den Befreiungskriegen in der Rheinpfalz, Badenheim (Pfalz), 3. 5. 1814. Schreiben eines in Badenheim stationierten preußischen Militärs mit Informationen und Anweisungen, darunter, wie man sich bei der Begegnung mit französischen Truppen zu verhalten habe. Der Adressat solle mit seiner Einheit schnellstmöglich nach Mainz zum Sturm auf die Stadt kommen; am 4. Mai 1814 mußten die Franzosen aufgrund der Übermacht der Belagerer Festung und Stadt Mainz räumen.