750: HANDSCHRIFTEN – VIOLONCELLO –

"Violoncello, è basso. Libro d'Ariette, è Minueti diversi. Con la Tavola dà ritrovar le Ariette, è Minuetti". Italienische Musikhandschrift auf festem Bütten. Nicht dat. (wohl um 1760/70). Qu.-4º (18,9 x 24,8 cm). 62 S. Läd. Pp. d. Zt. mit etw. Vg. (118)
Startpreis: 1.200,- €
Ergebnis: 1.700,- €


Das gut lesbare Manuskript, abgefasst im Duktus eines routinierten Kopisten, der den Titel sogar ein wenig verziert gestaltet hat, ist vor allem dadurch interessant, dass es in der Frühzeit der solistischen Behandlung des Violoncello entstanden ist. Das Cello setzt sich hier von der Funktion, zum Generalbass zu gehören, dadurch ab, dass es selbst von einem Bass in teils kontrapunktischer Art begleitet wird. In Vergleichen kaum nachweisbar, sind die unterschiedlichen Bezeichnungen für die wechselnde Art der begleitenden Bass-Stimme, die manchmal deutschen („todesco“) und spanischen („alla spagnuola“) Mustern folgt, gelegentlich auch solchen „da diavolo“; aber auch die Hauptstimme spielt teils Stücke in besonderer Form, darunter eine „Aria bizaria“. Die im Titel genannte „tavola“ ist ein Verzeichnis aller Stücke am Ende.

Vielleicht war der anonyme Autor im Umkreis oder in der Nachfolge des neapolitanischen Cellisten und Komponisten Francesco Paolo Supriani (oder Scipriani, 1678-1753) tätig. Von Supriani stammt eine frühe Schule für dieses Instrument, eine Sammlung von Toccaten mit Einführung in die Grundlagen des Spiels, aufgebaut in steigerndem Schwierigkeitsgrad („Principij da imparare a suonare il violoncello e con 12 toccate a solo“). In unserer Handschrift wird die Spielfertigkeit aber bereits vorausgesetzt. Der unbezifferte Bass ist längst nicht bei allen Stücken notiert, die Zeilen sind für ihn zwar überall angelegt, bleiben aber oft frei. Wahrscheinlich sollte die Stimme noch ergänzt werden. Das Manuskript könnte als Sammlung von Mustern – vielleicht sogar auf Reisen – angelegt worden sein. Dafür spricht, dass im Index am Ende manche Stücke nicht eingetragen sind, bei denen der Titel in der Folge auch fehlt. Die einzelnen Stücke sind, soweit überprüft, für uns nicht nachweisbar, doch werden sicherlich einige Bearbeitungen darunter sein. Wir haben eine Vermutung, wer der Autor sein könnte: Der Niederländer Emanuel Siprutini (um 1730 – um 1790), ein jüdischer Cellist, der ab 1756 in London gewirkt hat, nachdem er Reisen durch Italien und Spanien unternommen hatte. Er hat in London mehrere Sammlungen von Sonaten für dieselbe Besetzung wie hier veröffentlicht, und auch der Stil zwischen Barock und Frühklassik ist seinen Werken ähnlich. Um die Titelvignette herum hat der Schreiber die Buchstaben „N. S. F.“ plaziert, wobei das alleine am Fuß stehende F. für „fecit“ stehen könnte. Auf dem Einband der Zeit ist in Gold das Wort „Torneo“ geprägt, also Wettkampf oder Wettbewerb. – Leicht gebräunt und fleckig.