741: HANDSCHRIFTEN – RICIERI – "CAPRICY A SOLO

del Sig(no)re Gio(vanni) Antonio Ricieri". Italienische Musikhandschrift auf festem Bütten. Nicht dat. (um 1720/30). Qu.-4º (18,2 x 26,3 cm). 12 nn. Bl. (4 mit angeklebten Erweiterungen verschied. Größe). 8 schablonierte Notenzln. Flex. Pp. d. Zt. mit Deckeltitel "Divertimenti à Solo Del Sig. Antonio Ricieri" und Sammlungsetikett (leicht fleckig und berieben). (118)
Startpreis: 700 - 1.000,- €


Giovanni Antonio Ricieri (auch Riccieri, 1679-1746) ist heute nur mehr wenig bekannt, doch zählte er in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu den bedeutendsten italienischen Komponisten, die den alten strengen Stil vertreten und tradiert haben. Er war einer der Lehrer des Padre Martini, und zwar in der wohl wichtigsten Disziplin der konservativen Komponisten der Zeit, dem Kontrapunkt. Mozart kann gewissermaßen als sein Enkelschüler gelten, da er sich bekanntlich auf seiner ersten Italienreise 1770 von Martini im Kontrapunkt unterrichten ließ.

Bei unserem Manuskript wird es sich um eine Gebrauchshandschrift zu Aufführungszwecken handeln, allerdings ist keine Vorlage bekannt, weder ein Druck noch eine Handschrift, aus der sie abgeschrieben worden sein könnte. Von einem Autografen gehen wir allerdings nicht aus, obwohl an mehreren Stellen durch Auskratzen korrigiert worden ist und vier Stücke am Ende eine „Verlängerung“ durch angeklebte Papierstreifen erhalten haben; doch kann das auch auf praktische Gründe für den Vortrag zurückgeführt werden. Die Stücke sind, soweit uns das möglich war zu eruieren, sämtlich unbekannt. Als Capricen oder Divertimenti sind sie Instrumentalstücke, doch ist keine Besetzung genannt. Vom Tonumfang und dem Charakter her dürften sie einem Blasinstrument zugedacht sein, Streicher sind wohl auszuschließen, da keine Doppelgriffe vorkommen. Die Bassbegleitung ist nur gelegentlich beziffert, vielleicht, weil gar kein Tasteninstrument gemeint ist. Die 20 Stücke, meist in B-Tonarten, bilden keine Suite oder Satzfolge, sondern sind Einzelwerke von recht verschiedenem Charakter. Der Titel überklebt ein weiteres Stück, das sich wohl bei einer behutsamen Restaurierung wieder vollständig ans Tageslicht befördern ließe. Die Rückseite des letzten Blattes ist leer. – Auf Papier mit dem Wasserzeichen dreier Halbmonde. – Leicht gebräunt und wenig fleckig.