736: HANDSCHRIFTEN – MOZART – ADAGIO UND FUGE C-MOLL

für 2 Violinen, Viola und Bass, KV 546. Musikmanuskript der vier Stimmen. Nicht dat., vielleicht Offenbach, vor 1814. Gr.-4º (31,5 x 23,7 cm). 4 nn. Doppelbl. Etw. späterer Kleisterpapier-Umschl. mit hs. Deckelschildchen (leicht berieben). (118)
Startpreis: 900,- €


Eine recht präzise ausgeführte Stimmen-Abschrift zum Zweck der Aufführung, die im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts eigentlich keine große Besonderheit mehr darstellt, ist doch der Erstdruck bereits 1788 erfolgt. Das Interessante an diesem Manuskript liegt jedoch darin begründet, dass es sich bei ihm um eine Kopie aus dem originalen Mozartschen Autografen handeln dürfte, von dem heute nur noch die Fuge erhalten ist (British Museum, Add. Ms. 28966), das Adagio ist verschollen (wohl bald nach unserer Abschrift). Beide Teile hatte Mozart in eigener Weise hergestellt, die Fuge als Übertragung seiner Fuge für zwei Klaviere (KV 426), die Einleitung als neue Komposition. – Die Indizien dafür, dass unserem Manuskript Mozarts Autograf zugrunde lag, sind Folgende: Dem Schreiber ging es ganz offensichtlich darum, Mozarts Hand zu imitieren, die Notenschrift dabei aber zu vereinheitlichen und klarer zu gestalten. Besonders gut lässt sich das anhand der Ausformung der drei vorkommenden Schlüssel ablesen, wenn man sie mit dem Londoner Autograf vergleicht, wobei Mozart dort keinen einzigen Schlüssel selbst geschrieben hat, sie stammen von der Hand seines Kopisten der Klavierstimmen oberhalb von Mozarts eigenhändigem Arrangement. Das zweite Indiz sind die Wasserzeichen des Papiers. Sie stimmen exakt mit denen einer Handschrift (Mus.ms.autogr. Salieri, A. 4) in der Berliner Staatsbibliothek mit fünf geistlichen Werken aus Wien und Böhmen überein (RISM ID Nr.: 464122525). Diese befand sich einst im Besitz des wohl bedeutendsten Musikaliensammlers am Anfang des 19. Jahrhunderts, Georg Johann Daniel Poelchau (1773-1836). Wir vermuten, dass dieses und unser Manuskript aus derselben Quelle stammen und von Poelchau erworben worden sind. Da sich Mozarts Original bis 1814 im Verlagshaus André in Offenbach befand, könnte unsere Kopie dort entstanden sein.

Bei unserer Abschrift ist ein Streichquartett vorgesehen, während Mozart eindeutig ein Streichorchester meinte (die Kontrabässe erhalten gegen Ende eine eigene Stimme, unterschieden von den "Violoncelli", wie Mozart vermerkt hat). In unserem Manuskript ist dies unterblieben. Mehrere Korrekturen in unserer Handschrift dienen allein der Spielbarkeit, die jeweilgen Momente des Umblätterns wurden durch Streichungen und Neuanfang auf der Folgeseite verändert.

Auf Bütten mit Wasserzeichen Wappen mit Halbmond mit Gesicht, dazu Buchstaben A, und heraldischer Adler mit Buchstaben FAG, im Wasserzeichen-Informationssystem verzeichnet unter DE0960-Salieri4 3 16v und 17v. – Gering fleckig und gebräunt.