41: KAISERLICHE MARINE – S. M. ALEXANDRINE – "TAGEBUCH MEINER REISE UM DIE ERDE. VON KARL EBERT".

Deutsche Handschrift auf Papier. 4 Tle. in einem Bd. Dat. Kiel, Rio de Janeiro, Atlantik, Buenos Aires, Lima, Pazifik, Honolulu, Yokohama, Nagasaki, Hongkong, Colombo, Aden, Port Said, Marokko, Wilhelmshaven u. a. 1893-95. 4º. Mit gedrucktem Titel, einigen kleinen Skizzen, ca. 10 eingeb. Plänen und vielen weiteren, tls. mont. Beilagen, darunter 2 Porträtphotographien und viele Zeitungsausschnitte. Ca. 350 Bl. Hldr. d. Zt. (leicht beschabt). (10)
Startpreis: 1.000 - 1.500,- €


Die nahezu täglichen Aufzeichnungen des aus Heiligenstadt in der Fränkischen Schweiz stammenden Karl Ebert (1872-1953) umfassen den Einsatz der Kreuzerkorvette S. M. Alexandrine in den Jahren 1893-1895, unter anderem in Südamerika während der Revolte der brasilianischen Flotte und in Ostasien während des Ersten Chinesisch-Japanischen Krieges. Unser Band enthält vier Teile, jeweils mit handschriftlichem Zwischentitel, die nachträglich zu einem stattlichen Band zusammengefügt und mit einem gedruckten Titel versehen wurden.

Karl Ebert meldete sich als Freiwilliger zur kaiserlichen Marine. Sein Wunsch war es, „Auf ein Auslandschiff zu kommen und fremde Länder und Völker zu sehen“. So berichtet er in einem eingebundenen Artikel im Kalender des Deutschen Flottenvereis mit dem Titel „Hinaus in die Ferne! Eine Fahrt auf einem Marine-Ablösungs-Dampfer von Kiel nach Südafrika“. Nach seiner Rückkehr in die Heimat war Karl Ebert als Bürovorsteher der Siemens-Schuckert-Werke beschäftigt. Darüber hinaus war er ein überaus aktives Mitglied des Kreisverbands Mittelfranken des Deutschen Flottenvereins, dem er auch als Schriftführer diente (vgl. Sebastian Diziol, „Deutsche, werdet Mitglieder des Vaterlandes!“ Der Deutsche Flottenverein 1898-1934. 2 Bde. Kiel 2015, mit Auswertung der Akten im Stadtarchiv Nürnberg und zahlreichen Erwähnungen von Karl Ebert). Erhalten hat sich auch der See-Atlas von Justus Perthes aus dem Besitz von Karl Ebert, in den er seine Reiseroute einzeichnete (vgl. Wolfgang Struck und Elena Stirtz, Die gelehrten Poeten des Meeres, oder Wie die See in den Atlas kam, in: Jenseits des Terrazentrismus: Kartographien der Meere und die Herausbildung der globalen Welt, Hrsg. von Iris Schröder, Felix Schürmann und Wolfgang Struck, Göttingen 2022, S. 203-234, besonders S. 227-230).

Das erste Journal enthält die Berichte über die Reise von Kiel nach Kapstadt mit dem Hamburger Dampfer „Aglaia“, der zum Transport der Ablösungsmannschaft diente, und weiter an Bord der Alexandrine über den Atlantik nach Rio de Janeiro. Begeistert und ausführlich wird die Zeremonie der Linientaufe beim Passieren des Äquators geschildert. Das zweite Journal mit Einträgen vom 24. 6. bis 11. 12. 1893 enthält umfangreiche „Notizsam(m)lungen über die Bewegungen der aufständischen Brasilianischen Flotte und Ihrer Gegner“. Das dritte Journal betrifft den Aufenthalt in Südamerika vom 12. 12. 1893 bis 23. 6. 1894, unter anderem mit Stationen in Rio de Janeiro, Cabo Frio, Montevideo, Buenos Aires, die Fahrt durch die Magellanstraße und bis nach Valparaiso. Das vierte Tagebuch dokumentiert die Reise von Südamerika über den Pazifik, mit einer Station in Honolulu, nach Japan, wo Ebert umfangreiche „Notizen über die Japanische und Chinesische Kriegsmarine im Jahre 1894/95“ sowie über „Internationale Geschwader in Ostasien 94/95“ einträgt. Am 19. 2. 1895 erhält die Mannschaft unter „Jubelgeschrei“ die Nachricht, daß die Alexandrine die Heimreise antreten darf. Sie führt über Hongkong, Singapur, das Rote Meer und den Suezkanal in das Mittelmeer, bis die Alexandrine nach einem Einsatz in Marokko schließlich am 25. 5. 1895 in Wilhelmshaven anlegte.

Karl Ebert erweist sich als ambitionierter Chronist. So hielt er jeden Reiseabschnitt in einer Kartenskizze fest, sammelte zahlreiche Zeitungsausschnitte, bewahrte etwa das Programm einer „Abend-Unterhaltung“, einen Stadtplan von Montevideo oder den „Verpflegungszettel“ der Weihnachtsfeiertage 1893 und fertigte eine Liste über „Tägliche Routinen in See“. Auch klebte er das Kalenderblatt vom 13. September 1894 ein, dem Tag, der in seinem Leben ausfiel, als er die Datumsgrenze überquerte. Am Beginn des Bandes sind Porträtphotographien montiert, eine aufgenommen in Nagasaki, die andere zeigt den Schreiber, mit Orden dekoriert, nach der Rückkehr in die Heimat.

Das gedruckte Titelblatt, zahlreiche nachträglich Korrekturen und einzelne Ergänzungen zeugen von dem Vorhaben der Publikation des Tagebuches in gedruckter Form, das Karl Ebert offenbar nicht mehr vollenden konnte. – Wegen der nachträglichen Bindung knapp beschnitten, die erste Seite mit Stempel des Kommandos der S. M. Alexandrine, das erste Heft papierbedingt gebräunt und brüchig, einzelne kleine Einrisse und Fehlstellen, doch insgesamt ausgezeichnet erhalten.