Highlights der vergangenen Auktion 67

3. CICERO – FLORILEGIUM aus den „Epistulaead familiares“

Bislang nicht publizierte, in ihrem ursprünglichen Einband komplett erhaltene Humanistenhandschrift auf Pergament. Mittel- oder Norditalien, Mitte 15. Jhdt.

Enthalten ist eine Auswahl von insgesamt 65 Stücken aus den Büchern I-VII der „Epistulae ad familiares“. Dazu kommt als letztes Stück ein unbekannter Text, wohl aus der Feder eines Humanisten in Form eines fingierten, Cicero untergeschobener Briefes.

Die Texte sind in vollendeter humanistischer Minuskel geschrieben, der Buchschmuck besteht aus dem Wappen des Auftraggebers oder Besitzers und Initialen mit Federverzierungen am Beginn der einzelnen Briefe. Lediglich der freie Platz für die große P-Initiale am Beginn des ersten enthaltenen Briefes wurde nicht gefüllt. Am Beginn finden sich einige Marginalien in einer zeitgenössischen Hand. Dabei handelt es sich wohl um die Notizen des Schülers, der die Handschrift unter kundiger Anleitung für seine Studien des antiken Autors benutzte.

Schätzpreis 20.000,- €

38. MÜNCHEN – TURN- und SPORTVEREIN VON 1860 – „CHRONIK FIDELES ECK“

 

(Deckeltitel). Deutsche Handschrift auf Papier. Dat. München, 1923-72. Ca. 29 x 23 cm. Mitzahlr. meist farb. Illustrationen in verschied. Techniken. Ca. 200 Bl. Bemalte Lwd., dat. 1923, mit kleinen Buckeln (Altersspuren).

Der TSV 1860 München, bereits 1848 als „Münchner Turnverein“ gegründet, hatte in den ersten Jahrzehntendes 19. Jahrhunderts eine Blütezeit erlebt; nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Vereinsleben bald wieder aufgenommen und bereits 1919 das Stadion an der Grünwalder Straße errichtet. – „Fideles Eck“ nannte sich der Stammtisch einer kleinen Gruppe von jungen Männern, die 1896 der Turnabteilung beigetreten waren und sichregelmäßig im Vereinsheim in der Auenstraße trafen. Die reich illustrierte Chronik verzeichnet zahlreiche Ausflüge, Turn- und Stiftungsfeste, Weihnachts- und Faschings- feiern, Junggesellenabschiede und, später dann, Silberhochzeiten, und natürlich Geburtstage und Todesfälle. Anfangs stammen die romantischen, humorvollen und oft originellen Zeichnungen ebenso wie die ausführlichen Berichte von Hans Münch (gest. 1943), später von wechselnden Chronisten. Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges werden die Aktivitäten spärlicher, in der Nachkriegszeit ist die Berichterstattung lückenhafter, auch sind oft separate Zeichnungen oder Erzählungen eingebunden sowie wohl aus der Vereinszeitung stammende gedruckte Artikel, darunter auch der „Lebenslauf des Fidelen Eck’s“. – Gering gebräunt, einzelne kleine Einrissealt hinterlegt. – Eindrucksvolles Zeugnis der Münchner Vereinskultur. –

 

Schätzpreis 500,- €

39. COWBOY CLUB MÜNCHEN

Der Cowboy Club München, nicht zuletzt infolge der Begeisterung nach den Auftritten von „Buffalo Bill“ auf der Münchner Theresienwiese als einer der ersten Wildwestvereine 1913 gegründet, besteht bis heute; zu seinen Ehrenmitgliedern zählen u. a. die ehemaligen Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel und Christian Ude.

– Für die Zeit von Juli 1927 bis Dezember 1932 erstellte ein für uns leider nicht identifizierbares Vereinsmitglied unter dem Decknamen „Buck Owens“ mitgekonnten, lust- und liebevoll karikierenden Zeichnungen und dialekt- gefärbten Reimen eine Vereinschronik in Form eines Comics mit den kleinen und großen Ereignissen in geschickter Verbindung von Wort und Bild,vom Kirchweihtanz im Josephshaus über Wochenendcamps und Sommerfeste bis zu Ausflügen nach  Neuötting, Garmisch und Freising.

– Am Ende finden sich drei ganzseitige, ebenfalls routinierte Zeichnungen von „Mitsch“, datiert 20. 1. (19)57, einige nicht ausgeführte Bleistiftskizzen und sieben montierte Reproduktionen, wohl nach Zeichnungen eines anderen Vereinsmitglieds.

– Gering fleckig, leicht gebräunt. –

Schätzpreis 300,- €

165. DANTE ALIGHIERI

La commedia. Mit Kommentar von Christophorus Landinus. Brescia, Boninus de Boninis, 1487. Fol. Mit 68 Holzschnitten (fast alle ganzseit.,tls. wdh.), zahlr. kleinen Initialen, eingemalt in Rot, und schwarzgrundiger Druckermarke am Ende. Text von Kommentar umgeben.

Die dritte Ausgabe mit dem Kommentar des Landinus (Cristoforo Landino) und die erste Ausgabe mit Holzschnitt-Illustration. – Der erste große Illustrations- zyklus in einer gedruckten Danteausgabe. Die von schwarz-grundigen Groteskenbordüren gerahmten Darstellungensind, verglichen mit anderen italienischen Illustrationszyklen des späten Quattrocento, von erstaunlicher Einfachheit und Grobheit, manche wirken gar unvollendet.

Die Besonderheit unseres Exemplars sind die handschriftlichen Zusätze und Marginalien, die aus der Zeit um 1500 stammen dürften. Es finden sich folgende Einträge:

1.) Ein Verzeichnis („Rubrica“) mit kurzer Inhaltsangabe zu den einzelnen Kapiteln, vier Seiten mit zusammenacht Spalten auf zwei vorgebundenen Blättern.

– 2.) Ein Register: „Registro p(er) alphabeto de tute historie et poesie i(n) questa opera co(n)tegnude“ mit den Namen dervorkommenden Personen und Nennung der entsprechenden Kapitel.

– 3.) Kurze Zusammenfassungen des Inhalts am Beginn der Kapitel, deren Überschriften in derRegel durch den Zusatz: „Nel quale…“ ergänzend. –

4.) Gelegentliche Marginalien mit Verweisungen und Anmerkungen.

Schätzpreis 100.000,-€

181. BIBLIA

Das ist, Die gantze H. Schrifft, verteutscht durch D. Mart. Luther. Jetzo aber … erweitert und ergäntzet, durch David Pareum. 3 Tle. und Anhang in einem Bd. Erstlich gedruckt zu Newstadt an der Hard. Frankfurt, J.Wilde, o. J. (nach 1594). Fol. Mit breiter figürlicher gestoch. Titelbordüre, zahlr. Textholzschnitten und typographischen Noten.  Spät., alt restauriertes blindgepr. Ldr. über Holzdeckeln mit Schließe (von2). (14)

 

Nicht im VD 16, im STC und bei Adams, nicht in der BSWL, bei Darlow-Moule und Schmidt. – Nachdruck der seltenen Neustadter Bibel, die von 1587/88 bis 1596 ininsgesamt vier Auflagen erschien, alle vier von Matthäus Harnisch gedruckt. Auf diese Neustadter Bibel beziehtsich der allgemeine Hinweis auf der Titelseite der vorliegenden Ausgabe: „Erstlich gedruckt zu Newstadt an der Hard“. Genauerhin liegt dem Nachdruck die dritte Auflage aus dem Jahr 1594 zugrunde, wie die Druckvermerke von Harnisch mit dem Druckjahr 1594 zeigen, die sich hier auf den Zwischentiteln zu den Propheten und zum Neuen Testament sowie auf dem letzten Blatt versofinden (Ende des Neuen Testaments und des Registers zu den Psalmen). Vom Originaldruck von 1594 sind derzeit (Juni 2016) zwei Varianten bekannt, VD 16 B 2820 und ZV 27330, der Nachdruck selbst ist undatiert und kann von uns weder bibliographisch noch in öffentlichem Besitz nachgewiesen werden; gänzlich unbekannt ist zudem der auf dem Titel genannte Frankfurter Drucker oder Buchhändler oder Verleger Joachim Wilde (oder, sprachlich auch möglich, Wild), der mit dem in Rostock in der Mitte des 17. Jahrhunderts tätigen Joachim Wilde nur den Namen gemein hat, aber nicht identisch sein kann (nicht bei Reske, nicht im Drucker- und Verlegerregister zum VD 16, nicht in diversen elektronisch verfüg- baren Namensdatenbanken

 

Schätzpreis 2.500,- €

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