964: HERBART, J. F.,

Sonate pour le pianoforte dédiée à Messieurs J. D. Gries et Fr. Köppen. Op. 1. Leipzig, Kühnel, o. J. (Plattennr. 638; 1808). Qu.-4º. 15 S. (Titel [in der Paginierung], Noten und Text, alles gestochen). Lose Lagen, ohne Einband. (135)
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Sehr seltene erste Ausgabe. – Komponierende Philosophen sind uns durch prominente Vertreter des späten 19. Jahrhunderts etwa durch Friedrich Nietzsche, gut bekannt, als Gegenstück dazu auch philosophierende Komponisten, Richard Wagner etwa, aber daß der große Philosoph und Pädagoge Johann Friedrich Herbart (1776-1841) auch ernstzunehmende Versuche auf diesem Gebiet unternommen hat, das ist weniger im allgemeinen Bewußtsein verankert. Eine von mindestens drei Klaviersonaten Herbarts hat dank der Drucklegung die Zeiten überdauert, sie ist entstanden, als er 1802 nach Göttingen zur Promotion und darauf auch Habilitation an die Universität zurückgekehrt war. Bald danach erschienen 1806-08 bedeutende Werke wie die Allgemeine Pädagogik, Hauptpunkte der Metaphysik, Hauptpunkte der Logik und die Allgemeine praktische Philosophie. Und die vorliegende Klaviersonate, hervorgegangen aus seinen Beiträgen zu Göttinger Privatkonzerten, die er mit durchaus anspruchsvolleren Stücken bereicherte, die bis auf die vorliegende Sonate alle verloren sind. "Rückblickend auf das Musizieren und das (exemplarisch aufgewiesene) Komponieren darf in zutreffender Unvoreingenommenheit reverenzbezeugend gesagt werden, dass Herbart auf erstaunliche Weise eine ihm eigene musikalische Veranlagung zum Durchschein bringt. Aus der dem empirischen Menschen zugeschriebenen und solchermaßen auch sich selbst zugebilligten ästhetischen Sinngebung von ‘Freiheit der Wahl’ lässt er überzeugend eine ‘ursprüngliche, kreatürlich-kreative Spontaneität’ virulent werden", so die in philosophische Wortwahl gefaßte Charakterisierung des Werks durch den Herbart-Spezialisten Gerhard Müßener (Rückerinnerung an Johann Friedrich Herbarts musikalische Ambitionen. Eine Skizze anlässlich der 230. Wiederkehr seines Geburtstages am 4. 5. 2006, in: Mitteilungsblatt des Förderkreises Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung e. V. 17 (2006), Heft 1, S. 28-43, mit Abdruck einer neuen Edition der gesamten Sonate; das Zitat auf Seite 43). – Ein Nachdruck erschien 1876, hundert Jahre danach wurde das Werk wissenschaftlich umfangreich gewürdigt (W. Rausch, Die Musik im Leben und Schaffen Johann Friedrich Herbarts. Eine musikbiographische Skizze, mit einem Abdruck von Herbarts 1808 erschienener Klaviersonate Op. I, Göttingen 1976), und genau 200 Jahre nach ihrer Entstehung wurde die Sonate 2008 erstmals auf CD eingespielt. – Vereinzelt wasserrandig, vor allem die Ränder etw. gebräunt und fleckig, unbeschnitten.