943: NATIONALSOZIALISMUS – NÜRNBERGER PROZESSE – HESS

für Rudolf Hess vor dem Internationalen Militaergerichtshof Nuernberg im Prozess gegen Hermann Goering und andere. Von Dr. jur. Alfred Seidl Rechtsanwalt, Verteidiger des Angeklagten Rudolf Hess." Ms. Originaltyposkript. Fol. (32,7 x 20,2 cm). 1 Bl., 82 (recte: 87) S. (alle Bl. einseitig beschrieben). Flex. Pp.-Umschl. d. Zt. mit hs. Titel "Rudolf Hess" (fleckig, berieben und bestoßen). (158)
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Seltenes Dokument aus den Nürnberger Prozessen, von dem mehrere Exemplare in leicht veränderten Fassungen bekannt geworden sind. Diese vorliegende dürfte der endgültigen Version entsprechen. Das Typoskript ist erkennbar aus einer Überarbeitung hervorgegangen, bei der Textpassagen auf eingefügten Blättern ergänzt worden sind (31a, 37a, 39a, 60a und 67a-c). Die ersten beiden Blätter tragen die Seitenzahlen 1-2 und 3-4, was davon herrühren könnte, daß hier ein zunächst längerer Beginn gekürzt worden ist. – Der umstrittene Münchner Rechtsanwalt Alfred Seidl (1911-1993), Mitglied der NSDAP und späterer CSU-Landtagsabgeordneter, hat Hess nicht nur mit erkennbarer persönlicher Anteilnahme verteidigt, sondern sich zeitlebens um dessen Rehabilitierung bemüht. In seinem umfangreichen Plädoyer, das er 1946 vor dem Nürnberger Gericht gehalten hat, versucht er akribisch nachzuweisen, vor welchem historischen Hintergrund und aus welchen persönlichen Beweggründen Hess gehandelt hat. Unter Berufung auf das geltende Völkerrecht stellt Seidl seinen Mandanten in den wesentlichen Anklagepunkten als nicht schuldig und entlastet dar. – Vgl. unsere Losnr. 57 mit einem weiteren Dokument aus den Nürnberger Prozessen. – Stellenw. stärker fleckig und gebräunt.

Rare document from the Nuremberg Trials, of which several copies in slightly altered versions have become known. This one probably corresponds to the final version. The typescript is recognisably the result of a revision in which text passages were added on inserted leaves. The controversial Munich lawyer Alfred Seidl, a member of the NSDAP and later a CSU member of the state parliament, not only defended Hess with recognisable personal sympathy, but also made efforts throughout his life to rehabilitate him. In his extensive plea, which he delivered before the Nuremberg court in 1946, he meticulously tries to prove against what historical background and for what personal motives Hess acted. – Referring to the applicable international law, Seidl presents his client as not guilty and exonerated on the essential charges. (See also our lot 57). – Heavily stained and browned in places. – Contemporary flexible cardboard cover with handwritten title "Rudolf Hess" (stained, rubbed and bumped).