943: HANDSCHRIFTEN – ROSSI – "O SI QUIS DARET CONCENTUM[,]

a 3 canti con sinf(oni)a del Sig. Luigi Rossi". Musikmanuskript auf starkem Bütten. Nicht dat. (wohl Italien, mittleres 17. Jhdt.) 22,7 x 16,9 cm. 10 nn. Bl. Lose in mod. Hlwd.-Mappe. (10)
Schätzpreis: 2.000,- €
Ergebnis: 1.200,- €


Geistliches Konzert zu drei Sopranstimmen, Violine, Harfe und Orgel von Luigi Rossi (1597-1653), komponiert wahrscheinlich für die Familie Barberini in Rom (vgl. Pasquale Ricciardelli, Il musicista Luigi Rossi, Torremaggiore 1990, S. 164). Rossi ist einer der Entwickler der Gattung Kantate, die hier in einer frühen Form vorliegt, da das Stück zumindest aus der charakteristischen Abfolge unterschiedlich besetzter Abschnitte besteht. Rossi hat eine Vielzahl von Kantaten komponiert – William C. Holmes nennt die Zahl von 388 (MGG XI, 941) – , vor allem geistliche. Die Besetzung der Instrumente beschränkt sich bei den meisten davon auf Streicher mit Begleitung des Basso continuo, in der Regel der Orgel. Daß hier auch eine obligate Harfe zur Instrumentalbesetzung zählt, ist eine große Ausnahme, und dies nicht nur bei Rossi oder in Italien, sondern in der gesamten Musik des europäischen Frühbarock. Zur Verwendung der Harfe in diesem Stück siehe Martin van Schaik, Aspects of the Historical Harp, in: Proceedings of the International Historical Harp Symposium, Utrecht 1992, erschienen ebda. 1994. Dort heißt es: "Only one of his [Luigi Rossis] many vocal compositions calls for harp accompaniment: ‘O si quis daret concentum’ …" (S. 27). Siehe ferner den Artikel "Harfenmusik" in der MGG V, 1563-1586. Motiviert ist diese Verwendung der Harfe sicherlich durch den Text, der vom Wohlklang des himmlischen Konzerts handelt. Doch wurde die Harfe, die für die Musik – und Konzert-Darstellungen der bildenden Kunst vom Spätmittelalter bis weit in die frühe Neuzeit hinein geradezu unverzichtbar war, in der Realität nur sehr selten als Instrument der kirchenmusikalischen Praxis eingesetzt.

Was uns hier vorliegt, ist eine Stimmenabschrift aus der Entstehungszeit des Stücks; auf der Rückseite des Titels findet sich die Orgelstimme (Basso continuo), diese wird auf einem zweiten Blatt fortgesetzt, dann liegen auf Doppelblättern die Singstimmen 1-3 vor und jeweils auf einem Einzelblatt die Stimmen der Violine und der Harfe, welche an manchen Stellen als Melodieinstrument (vor allem am Anfang) und teils in ausgeschriebenen Akkorden (Arpeggios), im zweiten Teil dagegen nur noch als Generalbaß notiert ist. Alle Sing – und Instrumentalstimmen sind komplett erhalten. Der Schreibduktus, der sehr klar, routiniert, aber nicht kalligraphisch ist, entspricht dem Zweck, Notenmaterial für eine Aufführung bereitzustellen, daher auch das etwas kräftigere Papier. Bei einem der Doppelblätter weist es im Falz ein Wasserzeichen einer Lilie im Kreis auf; derartige Wasserzeichen sind sowohl bei Briquet als auch Piccard in vielen Varianten in Italien im mittleren und späten 16. Jahrhundert verzeichnet, insbesondere in Rom. Möglicherweise war das Papier bei seiner Verwendung schon etwas älter. – Ein Bl. mit alter rückseitiger Überklebung durch einen schmalen Papierstreifen (geringer Verlust von Notentext, der aber im Licht durchscheint), etw. fleckig und gebräunt, kaum beschnittene, tls. auch unbeschnittene Lagen.

Spiritual concert by Luigi Rossi (1597-1653) with 3 soprano voices, violin, harp and pipe organ, possibly composed for the Barberini family of Rome. What we have here is a manuscript copy of the parts from the time when the piece was composed. On the back of the title page is the organ part (basso continuo), this is continued on the second sheet, then on double sheets the vocal parts 1-3 and on a single sheet each the part of the violin and the harp. All the vocal and instrumental parts have been preserved. The writing style, which is very clear and routine but not calligraphic, corresponds to the purpose of providing musical material for a performance, hence the somewhat thicker paper. One of the double leaves has a watermark of a lily in a circle in the fold; such watermarks are recorded by both Briquet and Piccard in many variants in Italy in the middle and late 16th century, especially in Rome. It is possible that the paper was already somewhat older when it was used. – One sheet with old overgluing on the back by a narrow strip of paper (minor loss of musical text, which, however, shines through in the light), somewhat stained and browned, hardly trimmed, partly also untrimmed quires. – Loose, in a modern half-canvas portfolio.