942: NATIONALSOZIALISMUS – KÖNIGSBERG – BRACHERT

Königsberg Pr. Mia Brachert". Typoskript. Dat. "Paul Lechler Krankenhaus" (Tübingen) 1957. 1 Bl., 53 S. (alle Bl. einseitig beschrieben). Hlwd. d. Zt. (92)
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Marie Brachert, geb. von Wistinghausen (1893-1970), genannt Mia, war die Gemahlin des Bildhauers Hermann Brachert (1890-1972). Sie arbeitete als Photographin und war unter anderem mit der Bestandsaufnahme des Königsberger Schlosses betraut. Hermann Brachert war seit 1919 Lehrer an der Provinzial-Kunst – und Gewerkschule Königsberg; in staatlichem Auftrag fertigte er Großplastiken für die Albertus-Universität Königsberg, auch war er Berater der Staatlichen Bernstein-Manufaktur Königsberg. Seine Arbeit als Künstler wurde 1944 durch die Einberufung zur Küstenwehr Großkuhren (Samland) unterbrochen. Nach dem Krieg lebte er in Stuttgart, wo er an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste lehrte und als stellvertretender Rektor wirkte.

In unseren Tagebuchauszügen berichtet Marie Brachert von der Zeit unmittelbar vor und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Die Familie hatte sich gerade das Haus in Georgenswalde (heute Otradnoje) eingerichtet, wo sich seit 1993 das Hermann-Brachert-Museum befindet. Das Ehepaar fürchtete aufgrund seiner antinazistischen Einstellung die Verfolgung durch die SS. In Hetzartikeln wurde die in Sankt Petersburg geborene Mia als Jüdin diffamiert. Hermann brachte sich vorübergehend zu seinem Bruder nach München in Sicherheit, während Mia mit ihrer zehnjährigen Tochter in Königsberg ausharrte, wo sie sich ihr Photoatelier im Bildhaueratelier ihres Mannes einrichtete. Sie wurde selbst von der SS aufgesucht und verhört und berichtet von einer Freundin, die Verhaftung und Folterungen erleiden mußte. – Einzelne Stellen überklebt oder geschwärzt.