93: ALBUM AMICORUM – "DER ERRINNERUNG GEWIDMET

von Robert Seelig 1793." Stammbuch (Rückentitel: "Autel de l'amitié") mit ca. 115 Einträgen aus Brody (Ukraine), Brünn, Leipzig, Odessa, Rinteln, Weißenfeld und Wien. Dat. 1793-1811. Qu.-8º. Mit ganzseit. lavierter Tuschezeichnung, kleinem Aquarell, 3 mont. Kupferstichen und wdh. gestoch. Landschaftskartusche, bei Wiederhold in Göttingen, als Bordüre auf 43 Blanko-Blättern. 103 nn. Bl. Hellbraunes Kalbldr. d. Zt. mit Rsch. und Vg. (leicht beschabt und bestoßen). (6)
Schätzpreis: 400,- €
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Ergebnis: 270,- €

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Mit vielen Einträgen über fast zwei Jahrzehnte geführtes Stammbuch, in den Beigaben eher nüchtern, aber interessant durch die teils auch in Osteuropa erfolgten Einträge. Der Eigner war wohl ein Kaufmann, der auf seinen Geschäftsreisen vielerlei Bekanntschaften, darunter nicht wenige von Damen, gemacht hat. Der wohl interessanteste Beitrag darunter stammt indessen von dem kaum bekannten Laienkupferstecher Gustav Zocher, der ein Freund von Richard Wagners Vater, Carl Friedrich Wilhelm Wagner (1770-1813), und von Richard Wagners älterem Bruder Albert (1799-1874) gewesen ist. Zochers Eintragung ist am 13. August 1801 in Leipzig erfolgt, und als Beigabe hat er einen seiner sehr seltenen Kupferstiche in das Album montiert. Er zeigt die Reste einer alten Burganlage. Zocher, geboren 1776 als Sohn eines Goldstickers, führte in Leipzig ein Handelsgeschäft und übte die Kupferstecherei nur zum Zeitvertreib aus.

Weiterhin eingetragen haben sich der Fabrikant Leopold Seitter aus Brünn, ein Friedrich Bernhard Stolberg aus Leipzig, Mitglieder der Familie Hähnel, vielleicht die Familie, aus der die berühmte Sängerin Amalie Hähnel (1807-1849) hervorgegangen ist, sowie Mitglieder der verschwägerten Familien Ruppert und Kleinert aus Leipzig. Ein 1801 datierter Eintrag mit Signatur "Fr. Kanne" stammt wohl, wie der Schriftvergleich nahelegt, nicht von dem Komponisten und Musikschriftsteller Friedrich August Kanne. Die von einer Dame aus Brünn gefertigte Tuschezeichnung zeigt ein Dorf, wohl eine Ortschaft in Mähren. Über 40 Blätter, die meisten davon mit Einträgen, sind mit einer reizvollen landschaftlichen Rahmenbordüre in Kupferstich verziert. Die Bordüren stammen aus dem Verlag von Johann Carl Wiederhold in Göttingen, der speziell für Stammbücher produzierte Blätter mit gestochenen Rahmenkartuschen im Angebot hatte. – Leicht gebräunt und fleckig.