912: (PENZOLDT, E.),

Schlabrendorf. Liebeskomödie. O. O., Dr. und Jahr (wohl 1945). Fol. 2 nn., 80 num. Bl., alle einseitig beschrieben (ohne Bl. 17). Leicht läd. OHlwd. (7)
Schätzpreis: 400,- €
Nachverkaufspreis: 200,- €

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Hektographiertes Typoskript des später "Die verlorenen Schuhe" betitelten Dramas über den Grafen Schlabrendorf. "Auf Gustav Graf von Schlabrendorf (1750-1824) wird Penzoldt durch William Foerst aufmerksam gemacht. Das Stück entsteht 1945 im Heimeranhaus in Starnberg, in dem Penzoldt das Ende des Krieges und die erste Nachkriegszeit erlebt. Es ist geschrieben in einem Zustand der Erleichterung über das Ende des Dritten Reiches und des Krieges, in Heimerans kleiner Terrasse mit dem weiten Blick über den Starnberger See. In einer Privatlesung am 24. August 1945 stellt Penzoldt sein Stück 23 Freunden vor, darunter Otto Falckenberg und Ludwig Hölscher" (Ulla Lentz-Penzoldt, Leben und Werk von Ernst Penzoldt, Frankfurt 1962, S. 66). Die Uraufführung des Stückes fand 1946 statt, die Druckfassung erschien 1948 bei Heimeran als erster Teil des Buches "Der Diogenes von Paris".

Von dieser Fassung weicht das vorliegende Typoskript "Schlabrendorf" nicht nur orthographisch und in der Interpunktion gelegentlich ab, sondern weist auch einige textliche Änderungen auf. Dazu nur wenige markante Beispiele: Titel und Untertitel beider Fassungen sind vollkommen unterschiedlich. Alle sechs Bilder des Stückes haben ebenso reiz – wie phantasievolle italienische Tempo- und Ausdrucksbezeichnungen, von einem "Adagio lugubre poco a poco stringendo" des ersten Bildes bis zum "Larghetto pomposo con sentimento" des letzten Bildes; im Buch fehlen diese Spiel- und Vortragsempfehlungen komplett. Schließlich endet das Typoskript mit zwei Fragen (Vermisseau: War das alles? Nancy: Was wollt Ihr mehr?), in der gedruckten Buchfassung sind diese Fragen weggefallen. Obwohl im Typoskript das Blatt 17 nicht vorliegt und damit auch eine Textseite der vorliegenden Fassung fehlt, bieten wir sie auf Grund ihrer Seltenheit, ja Unbekanntheit hier an – auch wenn eine umfassende kritische Edition von Penzoldts Werk derzeit nicht wahrscheinlich ist, wäre das Typoskript für sie von erheblichem Wert. Wann es angefertigt wurde, läßt sich nicht mit Sicherheit sagen, doch halten wir es für sehr wahrscheinlich, daß es den Text der genannten Privatlesung Penzoldts bietet. Jedenfalls ist das Stück unter dem Titel "Schlabrendorf" und in der Form dieses Typoskripts sowohl in öffentlichem Besitz, soweit wir das über den KVK ermitteln konnten, wie in der von uns konsultierten Literatur unbekannt. – Innengelenke angebrochen, papierbedingt gebräunt.

DAZU: DER DIOGENES VON PARIS, Graf Gustav von Schlabrendorf. 2 Tle. in einem Bd. München, Heimeran, 1948. Mit Portr. 158 S., 1 Bl. Leicht läd. OPp. – Einzige Ausgabe dieser Zusammenstellung. – Heimeran, Büchermachen, 148. – Der erste Teil des Buches enthält die Buchfassung von Penzoldts Komödie "Die verlorenen Schuhe"; der Text des im Typoskript fehlenden Blattes 17 kann durch den Text auf den Seiten 22-23 des Buches erschlossen werden. – Innengelenke eingerissen, gebräunt. – Vorderes Vorsatzblatt mit der Widmung "Dem getreuen Hansi [Hans Schallinger] / zur Erinnerung an / die Uraufführungszeit / 22. 4. (19)48 Ernst Penzoldt".