892: ZWEITER WELTKRIEG – "JAPAN – REISE IM KRIEGE"

(Kopftitel). Bericht über eine Kurierreise nach Tokio im März 1941, verfaßt von Rittmeister Georg von Rohr. Typoskript (Durchschlag). Um 1950. Fol. 26 S. Lose Bl. ohne Einband. (170)
Schätzpreis: 260,- €
Ergebnis: 130,- €


Wohl etwas spätere Abschrift eines Feldpostbriefes; darauf deuten die Datumsangabe am Kopf "O(rts)U(nterkunft) März 1941 / Feldp(ost) 20225" und auch das beiliegende handschriftliche Begleitschreiben "… Hier schicke ich Dir 3 abgetippte Reiseberichte von Onkel Georg und Tante Ruth …" – Rittmeister Georg von Rohr (gest. 1955) war Chef der Schwadron "Gemischte Schnelle Brigade Senger", ehe er im Frühjahr 1941 als militärischer Kurier nach Tokio entsandt wurde. Nachdem er auf Erfahrungen aus einer dreijährigen Gefangenschaft in Sibirien zur Zeit des Ersten Weltkrieges zurückgreifen kann, tritt er die Reise voller Freude an. Er reist in Begleitung eines Berufskuriers sowie mit "800 kg = 16 Ztr. diplomatischen Amtsgepäcks … aus großen Säcken, meist wohl Propaganda-, Film – und sonstiges amtliches Material" über Moskau, Sibirien, den japanischen Marionettenstaat Mandschuko und Korea nach Tokio, wo er den Depeschenkoffer dem Botschafter General Eugen Ott (1889-1977) übergibt und mit dem Luftwaffenattaché Oberst Wolfgang von Gronau (1893-1977) einige Ausflüge unternimmt. Lebendig schildert er seine Eindrücke von der Landschaft und den Verhältnissen vor Ort, von Reisebekanntschaften, Übernachtungen in verschiedenen Unterkünften und im "Imperial Hotel" in Tokio, von Einladungen zu einer "Party" oder zum Essen. Ebenso gibt er die Stimmungslage und Gespräche wieder, so etwa den Ausspruch eines Offiziers: "Deutschland und Japan sind beide junge Nationen, wir müssen und werden daher die alten müden Völker besiegen!" – Das letzte Blatt mit tls. laienhaft hinterlegten Fehlstellen, sonst nur kleinere Randläsuren, mit Rostspuren von Heftklammern sowie Knickspuren, gering fleckig.