885: CHÉDEVILLE, (N.),

Sonates amusantes pour les muzettes vielles, flûtes traversière, hautbois, et violons, dediées à Monsieur le Comte de Guines Lieutenant de Roy. Gravées par Mme. Leclair. Oeuvre cinquième. Paris, Selbstvlg., sowie Boivin und Le Clerc, o. J. und Plattennr. (wohl 1736). Gr.-4º (32,7 x 24,3 cm). Titel mit großer figürlicher Vign., Widmung, 24 S. Notentext, 1 Bl. königliches Privileg (alles gestochen). Mod. Hpgt. (164)
Schätzpreis: 600,- €
Ergebnis: 300,- €


Seltene erste Ausgabe. – Eitner II, 413 (unter dem Titel "Les Soirées amusantes…", aus Fétis II, 257, übernommen, da Eitner selbst nur einzelne Drucke des Komponisten gesehen hatte). MGG II, 1154. RISM A/I C 1995 (und CC 1995). R. A. Green, The Hurdy-Gurdy in Eighteenth-Century France, 2. Aufl., Bloomington (Ind.) 2016, Repertory, S. 74. – Die drei Brüder Chédeville, die am königlichen Hof als Oboisten wirkten, waren mit der bekannten Musiker-Familie Hotteterre verwandt. Berühmt wurden sie als geschätzte Virtuosen der "Musette de Cour", einer in Frankreich zu dieser Zeit sehr beliebten Sackpfeife. Die Werke der drei Brüder für dieses Instrument wurden offenbar nur für Liebhaber in Kleinstauflagen gedruckt. So auch das Opus 5 von Nicolas Chédeville (1705-1782), dem jüngsten der drei, der für den Druck selbst gesorgt hat. Das Impressum nennt noch einen M. le Clerc und eine Mme. Boivin. Die Stecherin war Louise Leclair, Ehefrau des Komponisten Jean-Marie Leclair. Das Privileg am Ende datiert vom 30. 12. 1735, der Druck dürfte im folgenden Jahr entstanden sein. Der Komponist hatte 1735 am Rheinfeldzug im Gefolge des Prinzen von Conti teilgenommen, wo er wahrscheinlich auch Bekanntschaft mit dem Widmungsträger, einem Grafen von Guines, der Lieutenant de Roy der Provinz Artois gewesen ist, gemacht hat. – Die schöne Titelvignette zeigt eine Landschaft, in der auf einem Platz Reigen getanzt wird, begleitet von einem Sackpfeifer und einem Oboisten. – Guter, kräftiger Druck in vorzüglicher Erhaltung, minimal gebräunt und fleckig.