87: REVOLUTION 1848 – PREUSSISCHE NATIONALVERSAMMLUNG – AUERSWALD, A. VON,

Preussischer Generallandschaftsdirektor und Innenminister (1797-1870). E. Randnotizen und Korrekturen am Entwurf für ein Schreiben der preußischen Nationalversammlung an den König. Nicht dat. (Berlin, wohl Juni 1848). Fol. (35 x 21,6 cm). 2 S. – Doppelblatt. (143)
Schätzpreis: 600,- €


Ein Dokument von großer historischer Bedeutung, mit dem die preußische Nationalversammlung den König darüber informierte, daß sie den von ihr erstellten Entwurf einer Staatsverfassung "der sorgfältigsten Prüfung unterweisen" werde. Diese Verfassung, ausgearbeitet von "Abgeordneten des Volkes, aus allgemeiner Wahl hervorgegangen", solle "den Stürmen der Zeit Trotz bieten" und das "Wohl des Volkes gewährleisten". Man biete dazu die Mitwirkung der Versammlung zu allen Maßnahmen ("Einrichtungen") der Regierung des Königs an, die geeignet seien, die innere Ruhe zu verbürgen und "die materiellen Interessen des Volkes zu erhalten und, wo sie gestört, wiederherzustellen…" Auch wird das Verhältnis zur gleichzeitig tagenden Frankfurter Nationalversammlung angesprochen ("kein Hindernis für die Erreichung jenes hochwichtigen Zweckes") sowie die geplante Reorganisation der Provinz Posen, ferner der "schwer lastende Kriegszustand" (der Krieg mit Dänemark, 1848-51). Bei dem hier angesprochenen Verfassungsentwurf dürfte es sich um die "Charte Waldeck" handeln, erarbeitet von einem eigenen Verfassungsausschuß des Parlaments und benannt nach dem Ausschußvorsitzenden Benedikt Waldeck. Dieser liberale und schließlich von der Nationalversammlung selbst abgelehnte Entwurf wurde im Juli 1848 vorgelegt, unser Schreiben entstand wohl zu dieser Zeit. Die Handschrift des offenbar diktierten Entwurfs ist vermutlich Emil Bendemann (1807-1882) zuzuweisen. Dieser war Assistent von Alfred von Auerswald, der den Text dann mit eigener Hand korrigiert, abgeändert und an manchen Stellen ergänzt hat. – Auf Velin ohne Wasserzeichen, gefaltet, leicht gebräunt.