867: EINBÄNDE – SCHWARZBRAUNER LEDEREINBAND mit zwei intakten Silberschließen,

filigran gearbeiteten breiten Silberbordüren, ebensolchen silbernen Eckfleurons und silbernen Medaillons als Supralibros, vorne mit dem Gekreuzigten und Maria und Johannes zu seiten des Kreuzes, hinten mit der Auferstehung Jesu mit römischen Grabeswächtern zu seiten des Sarkophags, und dreiseitigem Goldschnitt. Ende 18. Jhdt. (Rücken an den Kapitalen und Gelenken eingerissen, Beschläge oxydiert). (70)
Schätzpreis: 300,- €
Ergebnis: 150,- €


ENTHÄLT: GEBETE UND HANDLUNGEN für den öffentlichen gottesdienstlichen Gebrauch der Evangelischen Gemeinen der freyen Reichsstadt Augsburg. (Augsburg), Hamm, 1794. 4º. 3 Bl., 175 S., 1 Bl. – Gebrauchsbuch, an dem abzulesen ist, daß es oft und über einen längeren Zeitraum intensiv benutzt worden ist, was es zu einem sprechenden Dokument des kirchlichen Lebens in Augsburg zu Beginn des 19. Jahrhunderts macht: Zwischen S. 130 und 131 ist eingebunden "Ein kürzeres Formular, das bey sehr starken Communionen, oder bey kalter Witterung gebraucht werden kann" (4 Blatt). Auf dem letzten Blatt wurde eine gegenüber der Druckfassung der Segensformel abweichende Fassung eingeklebt (in Tinte von alter Hand). Vor allem das letzte Drittel mit den Tauf-, Abendmahls- und Kopulations-Handlungen ist stärker fingerfleckig, was auf die häufige Benutzung hinweist. Schließlich ist an mehreren Stellen das Wort ‚Kaiser‘ handschriftlich durch ‚König‘ ersetzt, und auf den Seiten 52, 62, 76, 81/82, 93 und 96 sind jeweils mehrere Textzeilen, wo Gott um Beistand und Mut für die Abgeordneten der Reichsversammlung zu Regensburg gebeten wird, mit Papierstreifen tektiert, teils blanko, teils handschriftlich mit geändertem Text – das Buch war also noch einige Zeit nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches in Verwendung. – Ohnehin seltenes Gebetbuch, durch die Adaptionen jedoch reizvolles unikales Zeitzeugnis.