86: REVOLUTION 1848 – BERLIN –

Brief des Seilergesellen Adolph Freystatzky an seine Familie in Lauenburg. Dat. Berlin, 18.-22. 3. 1848. 4º (27,8 x 22,3 cm). 4 S. – Doppelblatt mit kolorierter lithogr. Vedute "Berlin vom Königl. Schlosse ausgesehen" als Briefkopf. (143)
Schätzpreis: 600,- €
Ergebnis: 300,- €


Ein packender Augenzeugenbericht eines fahrenden Handwerksgesellen, der sich zur Märzrevolution in Berlin befand und darüber, was er davon selbst erlebt hat, ausführlich an seine Familie berichtet. Freystatzky schildert hier vor allem die dramatischen Ereignisse des Barrikadenkampfes am 18. und 19. März: "Große Revolution in Berlin … Es ist eine Schreckens-Katastrophe!" Die Vorgeschichte berichtet er vom 7. März an, darunter die Forderungen einer Deputation von Bürgern an den König. Dann folgen die auslösenden Ereignisse auf dem Berliner Schloßplatz am 18. März und die baldige Ausweitung der Kämpfe über die ganze Stadt an diesem Samstag und dem Folgetag. Hier erreichten die Kampfhandlungen ihren Höhepunkt, auch hinsichtlich der Brutalität des Vorgehens auf beiden Seiten: "…besonders sollen in der Friedrichsstadt wahre Gräuelscenen vorgegangen sein…". Freystatzky sah die Erstürmung zweier Barrikaden in der Straße, in der er wohnte, mit an, die eine davon direkt vor seiner Unterkunft. Einige Anwohner retteten einen Teil der Soldaten vor der "Wut des Pöbels", indem sie sie in ihre Häuser nahmen. Schließlich wurde das Schießen durch die Gefangennahme des Generals Wellendorf auf dem Alexanderplatz beendet, und der König erließ eine Proklamation an die Bürger. Der Bericht endet mit der Beisetzung der gefallenen Aufständischen am 22. März. Den Schluß des Schreibens machen private Mitteilungen aus. – Auf feinem Velin ohne Wasserzeichen. – Vor allem an den rückseitigen Falzen etw. gebräunt und fleckig. – Transkription komplett beiliegend und verfügbar auf der Webseite www.geschriebene-Geschichte.de. – Außergewöhnliches und ganz unmittelbares Geschichtszeugnis.