857: REVENTLOW, F(ANNY) ZU,

Herrn Dames Aufzeichnungen oder Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil. München, Langen, (1913). 192 S., 2 Bl. (Verlagsanzeigen und Kolophon). Illustr. OPp. (Rücken etw. gedunkelt, Kanten und Kapitale mit ganz leichten Einrissen, gering berieben). (148)
Schätzpreis: 80,- €
Ergebnis: 60,- €


Erste Ausgabe. – Schneider, Die Schlüsselliteratur, II, 155. Kosch XII, 1085. – Der "merkwürdige Stadtteil" ist Schwabing, der Roman ein Schlüsselroman des Schwabinger Künstlerlebens um die Jahrhundertwende. "In den ‘Amouresken’ Von Paul zu Pedro …, im witzigen Geldkomplex (1916) und besonders im kleinen Roman Herrn Dames Aufzeichnungen (1913) lernen wir eine Reihe tonangebender Persönlichkeiten Schwabings kennen. Zunächst natürlich die Gräfin selbst. Mit Professor Hoffmann, ‘dem Schwabinger Zeus’ und ‘Patriarchen’, ist der Dichter, Germanist und Bibliophile Karl Wolfskehl, ein fast blinder, lebenstrunkener Vagant gemeint, der mit Klages die ‘Päpste von Schwabing’ darstellte; mit Delius der katholische Pfarrer Alfred Schuler, halb Mystiker, halb Genußmensch, dessen Seele am liebsten im Rom der Kaiser weilte. Willi ist Franz Hessel … Dr. Send ist der kluge Philosoph Paul Stern; Adrian der ewig suchende, wandlungsreiche, der Astrologie kundige O. A. H. Schmitz … Der Seeräuber ist der Gräfin zweiter Ehemann, Baron Rechenberg, mit dem sie eine Scheinehe einging, um an seiner ihn erwartenden Erbschaft teilzunehmen" (Schneider). Ludwig Klages lebt im "Hallwig", die Gräfin zu Reventlow selber ist in den Aufzeichnungen "Susanna". – Sauber.