83: MARINE – "TAGE-BUCH MEINER REISE NACH KIEL UND NORWEGEN".

(Deckeltitel). Deutsche Handschrift auf Papier. Dat. Kiel, Nordmeer und Bergen, 23. 11. – 20. 12. 1902. Fol. Mit 10 Planskizzen. 108 (recte 107) num. Bl. (am Ende ca. 10 weiße). Ldr. d. Zt. mit goldgepr. Deckel- und Rtit. (etw. beschabt). (8)
Schätzpreis: 400,- €


Tagebuch über die Teilnahme an der „Winterreise“ des I. Geschwaders der Kaiserlichen Marine auf dem Großen Kreuzer „S. M. S. Victoria Louise“. – Der von uns nicht identifizierbare Schreiber hatte die Einladung zur Teilnahme von Prinz Heinrich von Preußen erhalten, bald nachdem er zum Batteriechef ernannt worden war. Sein Kommandeur, der die Reise ebenfalls begleitete, war Graf Adolf von Westarp (1854-1925), damals Befehlshaber des Großherzoglichen Artilleriekorps in Darmstadt. Öfter deutet der Schreiber im Verlauf des Tagebuches sein gutes Verhältnis zur „Prinzeß“ Irene von Hessen-Darmstadt an, der Gemahlin des preußischen Prinzen und Bruders von Kaiser Wilhelm II. – Das Tagebuch umfaßt den Zeitraum von der Anreise mit dem Zug nach Kiel am 23. November bis zur Teilnahme an der Schiffstaufe der „S. M. S. Braunschweig“ in Anwesenheit von Prinz Albrecht von Preußen am 20. Dezember. Bis zum Aufbruch zu den Manöver- und Gefechtsübungen vor der Küste Norwegens sind die Gäste im Kieler Schloß untergebracht. An Bord notiert der Schreiber aufmerksam seine Beobachtungen von der Einrichtung seiner „Kammer“ (mit Skizze von Grundriß, Bett und Schreibtisch) bis hin zur Verpflegung der Mannschaft, ihrer Unterbringung und der Bekleidungswirtschaft. Er läßt sich über alle Gebräuche der Marine genau unterrichten, notiert die Flaggen- und Lichtsignale und gibt Gespräche über die Schießverfahren der Marine wieder. Die „Victoria Louise“ diente unter Admiral Ludwig Borckenhagen (1850-1917) als Flaggschiff der Aufklärungsgruppe. Mit besonderem Interesse verfolgt der Schreiber alle Manöver- und Gefechtsübungen von der Brücke aus. Ebenso detailliert berichtet er über die Einladungen zu Diners, oft im Beisein des Prinzen Heinrich und seiner Familie, über die Ausflüge in Bergen und die „Besichtigungen“ der seemännischen Rekruten. – Gering gebräunt.