81: MÜLLER, H.,

deutscher Reichskanzler (1876-1931). Ms. Brief mit e. U. Dat. Berlin-Eichkamp, 26. 5. 1928. 4º (28,5 x 22,8 cm). 3 Bl., einseitig beschrieben, mit 2 1/2 S. Text. – Auf Briefpapier mit dem gedrucktem Kopf des Parteivorstands der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. (143)
Schätzpreis: 260,- €
Ergebnis: 500,- €


An seinen Parteigenossen, den Staatssekretär (und Reformpädagogen sowie Erfinder der Kurzschrift) Heinrich Schulz (1872-1932). Dieser hatte sich über ihn beschwert, weil er sein Anliegen einer Rehabilitierung durch die künftige Regierung im Gespräch barsch zurückgewiesen hatte. Der vorwurfsvolle Brief von Schulz, ebenfalls vom 26. Mai 1928, liegt hier als Durchschlag ohne Unterschrift bei. Müller konterte, er wisse zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht, wer diese Regierung führen werde, und er habe auch noch nicht über Personalfragen befunden. Schulz war durch Innenminister von Keudell als Staatssekretär entlassen worden – was Müller als normalen Vorgang betrachtet – eine zwingende Rehabilitierung ergäbe sich daraus nicht. Müller habe sich indessen immer für Schulz eingesetzt, sonst wäre dieser schon unter dem liberalen Innenminister Wilhelm Külz entlassen worden. Abgefaßt wurde der Brief wenige Tage nach der Reichstagswahl (20. Mai 1928), die der SPD erhebliche Stimmengewinne beschert hatte und damit das zweite Kabinett unter Führung von Müller als Reichskanzler begründete. Am Ende ein Entwurf von Schulz’ eigener Hand zu einer Antwort, datiert 28. 5. 1928, die damit schließt, daß er Müller fortan nicht mehr behelligen werde (acht Zeilen mit Paraphe, durchgestrichen). Dies tat er dann doch, das Schreiben vom Folgetag liegt im Durchschlag bei. Es ist in sarkastischem Ton gehalten. Man werde schon sehen, ob die Fraktion Müller in seinen Auffassungen zustimmt. – Gelocht, mehrere Randläsuren, gering fleckig. – Beiliegend ein weiteres maschinenschriftliches Schreiben Müllers mit eigenhändiger Unterschrift, Berlin, 9. 1. 1928, an den Historiker Friedrich Max Kircheisen, der ihn um einen Beitrag für eine geplante Festschrift zum 50. Geburtstag von Gustav Stresemann gebeten hatte.