79: BAUER, J. M.,

Schriftsteller (1901-1970). 20 masch. Briefe, jeweils mit e. U. Dat. Dorfen, 28. 10. (19)48 – 18. 5. (19)49. Fol. (19) und Qu.-8º. Zus. 18 S. – Jeweils mit gedrucktem Briefkopf. (28)
Schätzpreis: 300,- €


Sämtliche Briefe an eine Frau Henle mit beruflicher Korrespondenz aus der Nachkriegszeit, als der Schriftsteller Josef Martin Bauer (1901-1970), bekannt vor allem durch den Roman "So weit die Füße tragen", beim Aufbau einer Einzelhandelsfirma für Textilwaren behilflich war. – Bauer übernimmt den "schwierigeren Schriftverkehr" und steht der Geschäftsfrau bei der Auswahl von Mitarbeitern und Lieferanten zur Seite. Deutlich wird die dramatische Knappheit von Rohstoffen in der Zeit unmittelbar nach der Währungsreform: "Die amerikanischen Wolldecken, die verarbeitet werden könnten, da sie im Preis günstig liegen und eine gute Qualität sind, bleiben nach wie vor beschlagnahmt für Berlin." Heftige Kritik übt Bauer an dem Bayerischen Hilfswerk, das "für die durch die Nürnberger Gesetze Betroffenen" 1945 gegründet worden ist: "Die Herren … unterstützen mit Riesensummen alle unmöglichen Leute, nur nicht die wirklich Verfolgten."

Gelegentlich berichtet Bauer auch über seine eigene finanzielle Situation: "Bücher, die bis Weihnachten noch reißend weggingen, werden heute kaum noch gekauft." Dabei erfährt man auch etwas über seinen Sohn, den späteren Kunsthistoriker Hermann Bauer (1929-2000): "Meinem Größeren hätte ich gern einen Anzug gekauft, aber der Kerl ist erstens so spindeldürr bei seiner Länge, daß er in einen fertigen Anzug nicht paßt, zweitens aber habe ich mich eben erst in die Unkosten stürzen müssen für einen schwarzen Anzug zum Abitur … Hernach soll er auf die Hochschule. Er ist vernünftig und gescheit und will gleichzeitig mit der Hochschule bei einer Zeitung volontieren, um uns zu entlasten." – Beiliegen zwei maschinenschriftliche Briefe, nämlich ein Brief von Frau Henle an Bauer und eine Durchschrift eines Briefes von Bauer an einen Herrn Schön. – Mäßige Altersspuren.