707: LISZT, F.,

Buch der Lieder. Gedichte von Goethe, Heine, Victor Hugo etc. mit Begleitung des Pianoforte. Bde. I und II (alles Erschienene) mit 12 Tln. (Lieder in jeweils eigener Pag.) in 1 Bd. Berlin, Paris und Wien, Schlesinger, o. J. (Plattennrn. S. 2822-27, 2915-20; 1843/44). Gr.-4º. Mit lithogr. Portr. auf aufgewalztem China, lithogr. Titel in Golddruck und gestoch. Widmung. Notentext gestochen. Ldr. d. Zt. mit goldgepr. Deckeltitel "Lieder von F. Liszt.", Romantiker-Vg. und Blindpr. auf den Deckeln sowie Steh – und Innenkantenvg. (etw. berieben und bestoßen). (190)
Schätzpreis: 1.600,- €


Sehr seltene erste Ausgabe. – The Cambridge Companion to the Lied, S. 172. S. Gesse-Harm, Zwischen Ironie und Sentiment, Stuttgart 2006, S. 417. – Vgl. MGG VIII, 977 (nur einzelne der enthaltenen Lieder). – Der Prinzessin von Preußen gewidmete Sammlung deutscher und französischer Lieder sowie eines auf italienschen Text. Der von Heine entlehnte Titel der Sammelausgabe früher Lieder von Franz Liszt täuscht insofern, als nur zwei der zwölf in den beiden Bänden enthaltenen Stücke über Texte von Heine komponiert sind, die Nrn. 1 und 2, "Die Lore Ley" und "Am Rhein", wobei die "Loreley" das erste Lied des Komponisten über einen deutschen Text überhaupt ist, entstanden 1841 auf der Rheininsel Nonnenwerth. Weitere drei Lieder dieser Zeit schuf Liszt nach Gedichten von Goethe ("Mignon", "Der König von Thule" und "Der Du vom Himmel bist"). Unter Hinzufügung des 1838/39 über einen italienischen Text von Cesare Bocella komponierten "Angiolin" hat Liszt den ersten Band des "Buchs der Lieder" 1841 zusammengestellt. Der zweite Band wurde von Liszt auf Nonnenwerth im Folgejahr konzipiert, wobei die weiteren sechs Lieder über Texte von Victor Hugo bereits auf seine Pariser Zeit zurückgehen. – Einen dritten Teil sollte wohl die Sammlung "Sechs Lieder für eine Singstimme" des Jahres 1843 bilden, ebenfalls auf der Rheininsel entstanden, doch erschien diese unter eigenem Titel bei Eck und Lefebvre in Köln 1844. – Insbesondere die Lieder über deutsche Texte, also jene des ersten Teils, wurden von der deutschen Kritik sehr kontrovers diskutiert, teils für ihren künstlerischen Gehalt und die Neuerungen des Kompositorischen gewürdigt, teils böswillig vernichtet und sogar als Beispiele dafür hingestellt, wie man es nicht machen sollte. Liszt hat einzelne der Stücke später neu bearbeitet und sich von den früheren Fassungen distanziert. Die komplette Liedersammlung hatte er aber schon bald nach Erscheinen in einer "Lieder-ohne-Worte"-Version für Soloklavier veröffentlicht. – Gering fleckig und wenig gebräunt. – Nachgebunden die ebenfalls meist seltenen Erstausgaben der Sammlungen von Liszt-Liedern I. "3 Gedichte von Goethe", Wien, Haslinger, PN 10,556.b (1848; Pag. S. 25-39, so komplett, Fortsetzung von:) II. "Lieder aus Schiller’s ‘Wilhelm Tell’", ebenda, PN 10,566.a (1848; 24 S.), III. "Die Macht der Musik", Leipzig, Kistner, PN 1644 (1849) und IV. "Tre Sonetti di Petrarca" in drei Heften, Wien, Haslinger, PN 10,094-10,096 (1846/47).