70: ALBUM AMICORUM – FRANKFURTER NATIONALVERSAMMLUNG – GOMBART

Ca. 55 Stammbuchblätter für Ludwig Lucas von Gombart (1792-1874), sämtlich von Abgeordneten der Paulskirchenversammlung, davon eines mit Federzeichnung. Verschied. Formate (ca. 8 x 14 bis 13 x 19 cm). Dat. Frankfurt, 1848/49. Lose in etw. spät. blindgepr. Ldr.-Kassette (beschabt und bestoßen). (152)
Schätzpreis: 1.200,- €
Ergebnis: 600,- €


Der bayerische Jurist Ludwig Lucas von Gombart gehörte als Teilnehmer der Frankfurter Nationalversammlung zur konservativen Fraktion, die im Café Milani tagte. – Vorhanden sind Albumblätter von Abgeordneten seiner Fraktion, darunter Alexander von Bally, Franz Egger, Ernst Merck, Anton von Nagel, Johann Gottlieb August Naumann, Wilhelm Schultze, Georg Ludwig von Wedemeyer und Anton von Wegnern, und ebenso anderer politischer Richtungen, etwa Joseph Braun, Ferdinand Haubenschmidt, Wilhelm Junkmann, Gustav Heinrich Kratz, Ernst Kunth, Karl Moering, Moritz Mohl, Mutius Aloys Ottow, Andrea Bernhard Quante, Friedrich von Raumer, Adolph Richter, Friedrich Stavenhagen, Christian Widenmann, Christian Friedrich Wurm, Joseph von Würth.

Fast immer vermerkten die Abgeordneten ihre Herkunft, öfter trugen sie statt Zitaten oder Sprüchen eigene kleine Anmerkungen zur Nationalversammlung oder politische Bemerkungen bei, gelegentlich wurden die Schreiber später vom Eigner in einer kleinen "Nota" kurz charakterisiert. So erweisen sich die Albumblätter als besondere Quelle zur deutschen Nationalbewegung.

Einen Kommentar zum Streit über die großdeutsche oder kleindeutsche Lösung liefert die feine Federzeichnung von Ferdinand Haubenschmidt, das erbärmliche Bild eines an einem Flügel gestutzten Adlers über einem zerbrochenen Wappenschild in den angedeuteten Farben Schwarz-Rot-Gold, mit der Unterschrift "Und das roem’sche Reich – daß Gott erbarm – / Das soll jetzt heißen Roemisch=arm! Zur Erinnerung an den polit. Barometerstand in der Mitte des März 1849".

Offenkundig freundete sich Gombart auch mit weiblichen Mitgliedern der Frankfurter Familien Guaita und Brentano an, von denen ebenfalls einige Albumblätter aus den Jahren 1848/49 beiliegen, davon eines von Mathilde Guaita mit einer Rose in Gouache. – Beiliegen ferner 12 etw. spätere Albumblätter aus Ansbach, Aschaffenburg, Augsburg, Freising, München, Nürnberg, Pappenheim und Wien, 3 Briefe (dat. 1840, 1852 und 1858) sowie Aufzeichnungen aus dem frühen 20. Jahrhundert zu den Beiträgern; ferner ein Album mit Abschriften von Gedichten aus dem späteren 19. Jahrhundert. – Leichte Altersspuren.