67: HOHENZOLLERN – SACHSE, K.,

Lehrer der Söhne von Kaiser Wilhelm II. (1866-1930). Ca. 80 e. Briefe (zus. ca. 350 S.; verschied. Formate) und ca. 30 e. Postkarten. Meist Plön, ca. 1899-1910. – Meist mit e. adressiertem Briefumschlag. (127)
Schätzpreis: 600,- €
Ergebnis: 300,- €


Karl Sachse war ab 1893 Hauslehrer der Prinzen aus dem Hause Hohenzollern, von 1896 bis 1910 unterrichtete er sie an der Prinzenschule zu Plön (Schleswig-Holstein). – Vorhanden sind ca. 20 Briefe, die Sachse an seine Mutter (1898-1904) schrieb; an die Freundin und spätere Gemahlin Mathilde, geb. Binz, sind ca. 60 Briefe und 30 Postkarten gerichtet, darunter viele aus der Zeit vor der Verlobung im Juli 1904.

Von Interesse ist das Briefkonvolut vor allem wegen der zahlreichen internen Informationen über das Leben an der Prinzenschule in Plön. Der Lehrer gewährt in den Briefen an seine spätere Frau intime Einblicke in seinen eigenen Alltag und damit auch in das tägliche Leben der Kaisersöhne, zum Beispiel "Ich habe jetzt mit dem Prinzen Joachim recht viel zu tun, 2mal jeden Tag mache ich mit ihm 25 Minuten lang gymnastische Übungen, Sonntags einmal. Die sollen möglicherweise auch in den Ferien fortgesetzt werden, dann muss ich mit, nach Cadinen oder wo es sonst hingeht. Auch unterrichtlich habe ich jetzt wieder mehr zu tun, 20 Stunden die Woche, esse jeden Mittag mit den Prinzen und habe 2 mal mit ihnen spazieren zu gehen, 2 mal Arbeitsstunde". Ausführlich berichtet er etwa über die Prüfungen, Feierlichkeiten, Reisen oder über einen Ausflug zum Herbstjahrmarkt: "Als der Prinz A. W. mit Confetti gänzlich Unbekannte zu werfen begann, beschloss ich das Vergnügen abzubrechen …" Gelegentlich übermittelt er auch Bemerkungen des Kaisers über seine Söhne, etwa über Prinz Adalbert "hoffentlich wird ers soweit [zum Admiral] bringen". – Meist nur leichte Altersspuren. – Beiliegen Auszüge der Briefe in maschinenschriftlicher Transkription (ca. 100 Seiten), angefertigt von einem Sohn von Karl Sachse; ferner ein Tagebuch der Margarethe Binz aus den Jahren 1892-1898; weiters Materialen zur Familiengeschichte von Karl Sachse.