666: (DILLENIUS, F. W. J.),

Über den Heldenmuth. Ein Wort zu seiner Zeit an Deutschland, und zum Besten der verwundeten Deutschen Krieger. (2. Auflage). O. O. (Reutlingen) und Dr., 1794. XVI, 110 S., 1 weißes Bl. (ohne die S. III-VI). Pp. d. Zt. (berieben, fleckig). (138)
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Gradmann 103. Hamberger/Meusel XI, 167. Holzmann/Bohatta IV, 6489. – Noch nicht [März 2020] im VD 18; in diesem Verzeichnis ist nur die erste Ausgabe aus dem Jahr 1786 registriert (unter der Nummer 10157883), die bislang einzige Ausgabe, die sich – in wenigen Exemplaren – in öffentlichem Besitz findet. Sie erschien in Leipzig bei Weygand ebenfalls anonym und hat den Titel Ueber den Heldenmuth im Kriegs – und Civilstande, mit Beyspielen, aus der ältern, und neuern Geschichte. In den zitierten gedruckten Bibliographien wird eine Ausgabe von 1785 genannt, die in älterer Zeit außerdem auch Kayser verzeichnet (III, 93; reproduziert im GV LIX, 29) und noch in neuerer Zeit Kosch anführt (III, 271). Es ist dies einer jener Fälle einer über die Jahrhunderte reichenden Traditionslinie fehlerhafter Berichterstattung durch Ausschreiben früherer Quellen, die alle auf einer ersten falschen, später nie mehr auf ihre Richtigkeit geprüften Information beruhen. Derlei Linien gilt es zu entdecken und im Interesse der Wahrheit und einer verläßlichen deutschen Nationalbibliographie geradezurücken, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet. Durch den vorliegenden Fund eines Exemplars der zweiten Auflage erfahren wir aus dem Vorwort aus erster Hand, nämlich vom Verfasser selbst, daß die Abhandlung erstmals "im Jahr 1786. verfertigt und gedrukt" worden ist (S. [VII]); mithin ist erwiesen, daß ein Druck von 1785 nicht existiert. (Kayser verzeichnet überdies und wohl als einziger a. a. O. eine zweite Auflage von 1814. Auch wenn diese sich weder bibliographisch anderswo angegeben findet noch in öffentlichem Besitz nachweisen läßt, kann es sie geben, etwa als Titelausgabe unserer zweiten Auflage von 1794, und wäre dann eben derzeit verschollen, es kann sich aber genausogut um eine Schimäre handeln wie beim Druck von 1785 oder einfach um eine fehlerhafte Angabe für das richtige Erscheinungsjahr 1794.) – Es fehlen die beiden Blätter nach dem Titel; wir vermuten, daß sie eine Widmung enthalten, die der Verfasser möglicherweise sogar selbst herausgeschnitten hat; das Buch trägt nämlich auf dem fliegenden Blatt die handschriftliche Widmung "dem Herrn Rittmeister Baron von Dillen vom Verfasser M(agister) Dillenius", und damit sich die Widmungen nicht gegenseitig stören, ist die gedruckte einfach entfernt worden. – Einige wenige Blätter am Seitensteg mit Wasserfleck, leicht gebräunt.