630: AERONAUTIK – OTTO-DOPPELDECKER – TEILNACHLASS des Flugzeugkonstrukteurs Ernst Wenz

mit über 300 Konstruktionszeichnungen in Bleistift mit hs. Beschreibungen und Berechnungen zu Kriegsflugzeugen in einem Skizzenbuch mit 76 Seiten und auf 37 Einzelblättern. Dat. 1914-16 und ca. 1927-32. Fol. (Skizzenbuch) und verschied. kleinere Formate (Einzelblätter). Hlwd. d. Zt. mit Deckelsch. ("Flugzeug-Skizzen 1914"). (34)
Schätzpreis: 2.500,- €
Ergebnis: 2.200,- €


Für die Geschichte des militärischen Flugzeugbaus höchst interessante Planungsunterlagen, insbesondere deshalb, weil hier auch ausführlich der sogenannte "Otto-Doppeldecker" behandelt wird. Auf der Internetseite der Schleißheimer Flugwerft des Deutschen Museums in München, die daran arbeitet, den Otto-Doppeldecker zu rekonstruieren, wird dazu erklärt: "Der Otto-Doppeldecker war eine Konstruktion der in München ansässigen ‚Flugmaschinenwerke Gustav Otto‘. Sie bildeten die Erstausstattung für die im Jahr 1912 aufgestellte Königlich-Bayerische Fliegertruppe. Von diesem Flugzeugtyp ist kein Exemplar mehr erhalten. Angesichts der technikhistorischen Bedeutung wird dieses Flugzeug auf Initiative des ‚Werftverein‘ in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Museum rekonstruiert. Da weder ein Originalflugzeug noch Werkszeichnungen erhalten sind, stützt sich die Rekonstruktion auf Fotografien. Weiterhin ist im Archiv des Deutschen Museums eine Anzahl von Zeichnungen erhalten, die ein ehemaliger Mitarbeiter der Otto-Werke für seine privaten Unterlagen angefertigt hatte. In Schleißheim waren von 1912 bis 1914 insgesamt 63 Otto-Doppeldecker stationiert." Bei diesem "ehemaligen Mitarbeiter" muß es sich um den Flugzeugkonstrukteur Ernst Wenz handeln, von dem auch unsere Zeichnungen stammen. Ein Teilnachlaß mit biographischen Unterlagen, Konstruktionszeichnungen, Skizzen und Pausen befindet sich im Archiv des Deutschen Museums in München (Signatur NL 120). Zur Biographie von Wenz wird dort nur angegeben, er sei 1846 geboren. Weitere biographische Details konnten auch wir nicht ausfindig machen. Ob und wie weit Wenz bei der Konstruktion des Doppeldeckers und anderer Militärflugzeuge des Ersten Weltkriegs eine bedeutende Rolle spielte, kann hier nicht beurteilt werden. Wichtig ist allein die Tatsache, daß Wenz zahlreiche Bauteile, von der Gesamtform des Flugzeugs bis ins kleinste Ausstattungsdetail, in präzisen Zeichnungen festgehalten hat und damit technische Planungsunterlagen überliefert, die sonst sämtlich verlorengegangen sind.

Das "Aus meiner Praxis im Jahre 1914" betitelte Skizzenbuch trägt das Datum 30. 9. 1916 und ist auf dem Titelblatt "E. Wenz" signiert. Neben dem Otto-Doppeldecker werden hier noch andere Flugzeugtypen behandelt, die von der LVG (Luft-Verkehrs-Gesellschaft A.G.) und den Albatros Flugwerken hergestellt wurden. Folgende Flugzeuge werden mit technischen Zeichungen unter Angabe von Maßen und sonstigen technischen Daten dargestellt:

"L.V.G. Doppeldecker" (S. 1-16), "L.V.G., kleiner verbesserter Typ" (S. 17-19).

"Albatros, Typ DDK. 3stiel. Zelle" (S. 20-24).

"Otto-Rumpf-Doppeldecker", "1. Typ" (S. 25-27); "2. Typ" (S. 28-31); "3. Typ" (S. 32-46, mit ausführlicher Darstellung der Bauteile: Rumpf, Spannturm, Dämpfungsfläche, Höhensteuer, Steuerung, Armaturenbrett, Bomben-Einbau und Benzintank-Befestigung sowie ein Schema der Benzinleitungen).

"Otto-Kampf-Doppeldecker. Typ: Doppelrumpf" (S. 47-76, mit umfangreicher Darstellung aller Bauteile; S. 75-76 "Verschiedene Einzelteile", mit Darstellung einer Benzinuhr, abbrechend mit der Zeichnung einer Fahrgestell-Abfederung).

Die Einzelblätter aus Abreißblöcken und teils auf Pauspapier dienten Wenz offenbar zum schnellen Skizzieren vor Ort. Interessant sind hier vor allem Zeichnungen von Meßinstrumenten verschiedener Konstrukteure wie Richard Gradenwitz (1863-1925), dem "Fern-Thermometer" der Firma A. Emil Baecker in Stuttgart, dem Goerz-Höhenmesser, einer Benzinuhr der "Deutschen Benzinuhren Gmbh" in Berlin und anderen Geräten. Da einzelne Skizzen Datierungen aus den zwanziger Jahren tragen, eine sogar von 1932, ist davon auszugehen, daß zumindest ein Teil dieser Zeichnungen nicht von dem erwähnten Ernst Wenz stammt, sondern von einem gleichnamigen Sohn oder einem anderen nahen Verwandten, der ebenfalls Flugzeugkonstrukteur gewesen ist. Von diesem späteren Ernst Wenz liegt ein Dienstausweis der Messerschmitt AG in Augsburg mit Paßbild bei. Wenz der jüngere, geboren am 24. 7. 1897, war demnach dort im Kriegsjahr 1943 Abteilungsleiter im Flugzeugbau.

Nach Einliefererinformation wurden sämtliche Unterlagen um das Jahr 2000 in einem Haus in der Nähe von Augsburg aufgefunden. – Leichte bis mäßige Gebrauchsspuren.

Otto-Doppeldecker. – Partial estate of the aircraft designer Ernst Wenz with more than 300 design drawings in pencil with ms. descriptions and calculations for war planes in a sketchbook with 76 pages and on 37 single sheets. Dated 1914-16 and ca. 1927-32. Fol. (sketchbook) and various smaller formats (single sheets). Contemporary half cloth with cover label ("Flugzeug-Skizzen 1914"). – Quite interesting planning documents for the history of military aircraft construction, in particular because the so-called "Otto-Doppeldecker" is also covered here in detail. – All documents were discovered around 2000 in a house near Augsburg according to the information given by the consignor. – Slight or moderate signs of wear.