62: BAYERN – TAGEBUCH DES REGIERUNGSRATES UND MUSIKERS KARL RESSLER

in vier Bänden mit zus. mehr als 2000 beschriebenen Seiten. Meist München, Augsburg und Bayreuth, dat. 18. 8. 1874 – 16. 6. 1900. Ferner ein Büchlein mit Aufzeichnungen aus Reßlers Kindheit und Jugend, dat. 1857-67 (ca. 30 Seiten beschrieben). Lwd. d. Zt. (4) und Pp. d. Zt. (Altersspuren). (20)
Schätzpreis: 800,- €


Sehr umfangreiche Aufzeichnungen von Karl Reßler (geb. 1850), durchgehend vom Ende der Studienzeit in München über den Dienst als Rechnungskommissar in Augsburg bis in die Amtsjahre als Regierungsassessor und Regierungsrat in Bayreuth. In kleiner, etwas flüchtiger Kurrentschrift geschrieben, geben die nahezu täglichen, meist nur stichpunktartigen Notizen Einblick in das Gesellschaftsleben des bayerischen Regierungsbeamten und leidenschaftlichen Musikers.

Sein Geburtsdatum (9. 2. 1850) nennt der Schreiber in dem Büchlein, das er im Alter von sieben Jahren geschenkt bekam. Es enthält wenige Einträge in einer großen regelmäßigen Kinderschrift, etwa zu erhaltenen Weihnachtsgeschenken; außerdem eine Auflistung von Orten, die der Knabe bei einer Reise durch die Oberpfalz besuchte, und eine Reihe von Gedichten, 1867 verfaßt, also im Alter von 17 Jahren. Wohl deutlich später eingetragen, da in der kleinen Schrift des Erwachsenen geschrieben, wurden die Mitteilungen über die Herkunft der Familie und die Berufslaufbahn des Vaters, der 1854 als Rechnungskommissär bei der Kammer der Finanzen angestellt war und 1856 nach Regensburg versetzt worden ist.

Die uns erhaltenen Tagebücher setzen am Ende der Studienzeit von Karl Reßler in München ein. Nach Ablegung der Prüfungen wird er im Sommer 1876 in München im Regierungsfiskalat angestellt, 1881 versetzt man ihn an die Rechnungskommission in Augsburg, 1885 wird er zum Regierungsassessor in Bayreuth befördert.

Neben der beruflichen Laufbahn gilt sein Hauptinteresse der Musik. Er besucht Konzerte, spielt Klavier, und als überaus aktives Mitglied der 1840 begründeten Münchener Liedertafel komponiert er Lieder und schreibt Texte. In Bayreuth ist er Mitglied der "Harmonia", des Chorvereins und der "Gesellschaft der Niederländter". In München verkehrt er regelmäßig im Ratskeller und im Matthäser, in Augsburg pflegt er Geselligkeit vor allem in der Beatushöhle. Reisen führen unter anderem nach Hamburg und Berlin, an den Rhein oder nach Venedig. Kegeln, Schach und Kartenspiel gehören zu den oft erwähnten Freizeitbeschäftigungen ebenso wie Spaziergänge, Schlittschuhlaufen und Radfahren.

Todesjahr und Todesursache konnten wir nicht ermitteln. Das Tagebuch bricht unvermittelt ab, mitten in einem dicken Band, mit dem Eintrag zum 16. Juni 1900: "Abmeldung ins Wildbad".

Ein Band mit Buchbinderetikett "Buchbinderei / von / Fr. K. Werner / München / Herzogspitalgasse 11"; alle Bände papierbedingt etw. gebräunt, gering fleckig.