62: ALBUM AMICORUM – "DER FREUNDSCHAFT / IETTE SCHUBERT".

Freundschaftsalbum der Henriette Schubert (Schubart). Mit ca. 50 Einträgen aus Altenburg/Thüringen, Dresden, Eichenberg, Jena, Weimar und anderen Orten. Dat. 1784-97. Qu.-8º. Mit aquarelliertem Titel, 9 tls. ganzseit. Gouache- und Aquarellminiaturen, ganzseit. Stickbild, 2 Blankobilletten mit gestoch. Bordüren und hs. Eintragungen und 2 mont. Kupferstichen (davon einer altkoloriert). Hellrosafarbene Seide mit Rvg. und goldgepr. Bordüren (Prägung oxydiert, berieben und bestoßen). (85)
Schätzpreis: 4.000,- €
Ergebnis: 3.010,- €

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Album der Schwester der Sophie Mereau. – Ein Dokument zur Literaturgeschichte der Frühromantik. – Henriette Schubert (1769-1831) war die Tochter des sächsischen Obersteuerbuchhalters Gotthelf Schubart, ihre jüngere Schwester ist die berühmte Schriftstellerin Sophie Friederike Mereau (1770-1806), die in zweiter Ehe mit Clemens Brentano verheiratet war. Henriette hat sich ebenfalls als Dichterin betätigt und übersetzte beispielsweise einige Werke von Walter Scott. Das Album ist eine erstrangige Quelle zum Freundes- und Bekanntenkreis der Familie Schubert mit zahlreichen Einträgen bekannter Personen und Familien, vornehmlich vom Wohnort der Familie, Altenburg in Thüringen.

Die berühmte Schwester Sophie Mereau hat sich, noch unter ihrem Mädchennamen Schubert und ohne Datum, aber mit der Angabe, "geschrieben an einem mißvergnügten Tage", in das Stammbuch eingetragen, dazu ein sechszeiliges Zitat aus Wielands Oberon. Der Eintrag des Vaters findet sich ebenso wie der des Bruders Karl (gestorben 1785) und des Halbbruders Friedrich Pierer (1767-1832). Pierer ist Arzt, Verleger und Lexikograph gewesen, bis heute bekannt durch das Pierersche Konversationslexikon. Ferner findet sich ein Eintrag von Ernestine von Brawe und eines weiteren männlichen Mitglieds der Familie von Brawe. Die Stiefschwester von Sophie und Henriette war Amalie von Brawe aus der Familie des berühmten frühverstorbenen Dramatikers Joachim Wilhelm von Brawe. Nach der Trennung von Mereau hat Sophie 1800/01 bei der Familie in Camburg in Thüringen gewohnt. Dem Eintrag der Ernestine gegenüber ist die Vedute einer Stadt an einem Fluß in das Album gemalt, wohl eine Ansicht von Camburg.

Unter den Beiträgern besonders hervorzuheben sind Ernst Karl Konstantin von Schardt (1744-1833), der Bruder der Charlotte von Stein, und David Georg Kurtzwig aus Livland, der erste, nur kurzzeitige Verlobte von Sophie Mereau, der 1788 in Jena promoviert wurde (Eintrag: "Altenburg im Frühling 1787" und Herkunftsnotiz: "aus Riga in Liefland"). Kurtzwig hat in das Album eine hübsche ganzseitige und von ihm signierte Aquarellminiatur eingemalt, die offensichtlich einen beliebten Treffpunkt bei einer kleinen Ruine in Wald zeigt. Bei einem mit "M." monogrammierten Eintrag mit Widmungszeile "erinnern Sie sich zuweilen Ihren Freund, den Sie so oft verkan(n)t haben", könnte es sich um Friedrich Karl Mereau selbst handeln, der in diesem Jahr die Ehe mit Henriettes Schwester geschlossen hat. Bemerkenswert sind weiterhin die Einträge sämtlicher Schwestern aus der Altenburger Bankiersfamilie Reichenbach, Caroline, Henriette (seit 1792 Gattin von Henriette Schuberts Halbbruder Friedrich Pierer), Wilhelmine und Julie. Den Schwestern Reichenbach hat Clemens Brentano 1801 seinen Roman "Godwi" gewidmet. Der Dichter hatte sich 1799 in Wilhelmine (Minna) Reichenbach unglücklich verliebt, bevor sich sein Interesse Sophie Mereau zuwandte. Julie Reichenbach hat sich mit dem Freimauer-Gedicht eines unbekannten Verfassers, "Freundschaft und Tugend sind ewig verkettet", in das Album eingeschrieben, einige Jahre vor den ersten nachweisbaren Drucken des Gedichts. Mit einer hübschen Miniatur im Rund, einen an eine Vase gelehnten jungen Mann in parkartiger Landschaft, hat sich der Maler und Miniaturist Johann Samuel Blättner (1731-1799) in das Album eingetragen, auch er ein gebürtiger Altenburger. Der ebenfalls sehr fein ausgeführte aquarellierte Titel trägt die Signatur "Schulze fecit"; vielleicht handelt es sich hier um Christian Gottfried Schulze (1750-1819), Kupferstecher und Miniaturmaler in Dresden. Unter den Gelehrten ist der theologische Schriftsteller Johann Georg Jonathan Schuderoff (1766-1843; ADB XXXII, 650) erwähnenswert. Ferner finden sich die Einträge mehrerer Adeliger, "E. de Seckendorff", die Gräfin von Seinsheim, ein Graf von Westerholt und Gysenberg und ein Angehöriger des Geschlechts Herda zu Brandenburg.

Interessant ist das Album auch hinsichtlich der Frage, wie der Name der Familie genau lautete: Während auf dem gemalten Titel der Name der Eignerin eindeutig "Schubert" lautet, ebenso wie der Eintrag der Sophie, nannte sich ihr Vater eindeutig "Schubart". Im Artikel zu Sophie Mereau vermerkt der Berliner Gymnasialprofessor Daniel Jacoby in der ADB (XXI, S. 420), sie sei eine geborene Schubert, und nicht Schubart. Diese These ist durch unser Album zu belegen: die Namensänderung hat offenbar in Sophiens Generation stattgefunden.

Auf Bütten mit "Pro-Patria"-Wasserzeichen. – Miminal gebräunt und fleckig.

Album amicorum of Henriette Schubert (Schubart). With ca. 50 entries from Altenburg/Thuringia, Dresden, Eichenberg, Jena, Weimar and other locations. Dated 1784-97. Oblong octavo. With watercoloured title, 9 partly full-page gouache and watercolour miniatures, a full-page embroidered picture, 2 blank greeting cards with engraved borders and ms. entries and 2 mounted copper engravings (one in contemporary hand colouring). Light pink silk with gilt back and gilt stamped borders (embossing oxidized, rubbed and scuffed). – Document regarding history of literature of early Romanticism. – Henriette Schubert (1769-1831) was the daughter of the Saxon tax accountant Gotthelf Schubart, her younger sister is the famous writer Sophie Friederike Mereau (1770-1806) who in second marriage was married to Clemens Brentano. Henriette acted also as poetess and translated for example some works by Walter Scott. The album is a first-rate source on the circle of friends and connections of the Schubert family with numerous entries of famous persons and families, primarily from Altenburg in Thuringia, the residence of the family. – On handmade paper with "Pro Patria" watermark. – Minimally browned and soiled.