60: HEILMAGNETISMUS – PROTOKOLL einer magnetischen Behandlung.

Deutsche Handschrift auf Papier. 2 Tle. in einem Bd. Wohl Norddeutschland. Tl. I nicht datiert (wohl Januar bis Juni 1825), Tl. II dat. 30. 6. – 30. 8. 1825. 4º. 9, 28 Bl. (Teil I nach Teil II eingebunden). Mod. Umschl. (14)
Schätzpreis: 250,- €
Ergebnis: 125,- €


Aufzeichnungen eines Arztes über die Behandlung eines jungen Mädchens; in Kurrentschrift mit einzelnen Streichungen und Korrekturen. – Am Beginn steht eine ausführliche Schilderung der Herkunft und Krankengeschichte des "Fräuleins N. N.", der Tochter eines preußischen Offiziers, leidend "an Krämpfen, die in Kopf, Brust und Unterleib abwechselnd ihren Sitz hatten" und wiederkehrten. In einer Einfügung am Rand bemerkt der Arzt: "Sie eröffnete mir, daß sie mit einem jungen Mann in einem Verhältnis gestanden habe, das sie aufzugeben gezwungen sei." – Der Arzt hatte die von Franz Anton Mesmer (1734-1815) begründete Lehre des animalischen Magnetismus während seines Studiums in Berlin durch Karl Christian Wolfart (1778-1832) kennengelernt und seine Erfahrungen in Paris bei dem Chirurgen Guillaume Dupuytren (1777-1835) vertieft. Erst nachdem die anfangs verordneten Bäder und Arzneien ohne Wirkung blieben und die Patientin, durch "Streichen mit der flachen Hand vom Kopf zu Füßen" in hyptnotisierten Zustand versetzt, die Absicht bekundete, "ihrem Leben durch eine Pistole ein Ende zu machen", entschloß sich der Arzt zur magnetischen Behandlung. – Der zweite Teil mit der Überschrift "Weitere Geschichte der Krankheit des Frl. N. N. vom Tage des Magnetisirens an" enthält tagebuchartige Einträge über die Sitzungen und das Befinden der Patientin. Unterstrichen sind einige Passagen zu hellseherischen Fähigkeiten während Trancezuständen. Ende August schien die junge Frau "von ihren Krämpfen gänzlich hergestellt", und die Aufzeichnungen enden mit den in etwas dunklerer Tinte nachgetragenen Worten "Dies hat sich auch bewahrheitet". – Tl. I: erstes Blatt mit Eckabriß, zweites mit Randschäden (jeweils etw. Textverlust); sonst nur kleine Randläsuren, papierbedingt gebräunt.