59: AUFSESS – "ZUM ANDENKEN AN AUFSEESS."

Deutsches Musikmanuskript auf Papier. Dat. Erlangen, 14. 1. 1822. Qu.-4º. 6 nn. Bl. Fadenbindung d. Zt., ohne Einband. (14)
Schätzpreis: 300,- €
Ergebnis: 150,- €


Eine unbekannte Sammlung von Liedkompositionen, die offenbar von dem späteren Gründer des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, Hans Freiherrn von und zu Aufseß (1801-1872), während seiner Studienzeit in Erlangen verfaßt worden ist. Aufseß, dessen Lebenswerk als Alterumsforscher, Publizist und Museumsgründer gut dokumentiert ist (vgl. etwa ADB I, 655-658), war als Komponist bislang kaum bekannt. In der RISM-Datenbank wird von ihm eine einzige Komposition genannt, eine spätere Bearbeitung seines Liedes "Der Deutsche Rhein". Aufseß hatte seit 1816 Rechtswissenschaften in Erlangen studiert und kam auch nach Abschluß seiner Promotion gelegentlich dorthin zurück, zumal er enge Kontakte zur dortigen Burschenschaft pflegte. Der Titel des vorliegenden Albums ist nicht eindeutig. Er könnte sich auf den Heimatort von Hans von und zu Aufseß beziehen, dem in der Nähe von Bayreuth gelegenen Aufseß, wo sich der Stammsitz der Familie befindet, Schloß Unteraufseß. Sein Studierzimmer kann dort heute noch besichtigt werden. Andererseits könnte sich der Titel auch auf ihn selbst beziehen. Da Aufseß seine Erlanger Studien 1822 beendet hatte und an seinen Heimatort zurückgekehrt war, könnte es sich bei dem vorliegenden Manuskript auch um ein Abschiedsgeschenk handeln, vielleicht für die Erlanger Freimaurerloge "Libanon zu den drei Cedern", der er angehörte, oder für die Burschenschaft. Die sechs enthaltenen Lieder des vorliegenden Hefts nach Texten von Körner, Goethe und Schiller – "Des Sängers Lied zu den Sternen", "An Silvien", "An Emma", "Muth", "Erster Verlust" und "Das gestörte Glück" – sind zwar volksliedhaft schlicht in der Führung der Gesangstimme und erfordern keinen virtuosen Klavierbegleiter, doch sind sie durchaus von melodischem Reiz und teils auch von harmonischer Raffinesse. Ihrer künstlerischen Bewertung ungeachtet stellen sie in jedem Fall ein wichtiges, wahrscheinlich sogar von eigener Hand stammendes biographisches Zeugnis aus den Jugendjahren des großen Museumsgründers und Forschers dar. – Etw. gebräunt und vereinzelt leicht fleckig.