569: EINBÄNDE – GEBETBUCHEINBAND IN DUNKELBRAUNEM LEDER ÜBER HOLZDECKELN,

die Deckel mit je vier Eckbeschlägen und einem ovalen buckligen Mittelstück in Silber und zwei intakten Silberschließen, der Goldschnitt sparsam gepunzt. Deutschland, um 1750. (Lederbezug oberflächlich leicht brüchig, jedoch nicht absplitternd, alle Silberteile etw. oxydiert). (11)
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Das Mittelstück auf dem Vorderdeckel ist ziseliert "A. E. K. J. G. G.", die Buchstaben werden eingeschlossen von zwei sich berührenden Zweigen; das Mittelstück auf dem Hinterdeckel trägt das ziselierte Datum "Anno 1708", welches Jahr über vierzig Jahre vor dem Erscheinungsjahr des enthaltenen Gesangbuches liegt. Da der Buchblock sehr gut in den Einband paßt, dürfte kaum eine Remboîtage vorliegen, sondern die ungewöhnliche Abweichung vom Erwartbaren – der Einband ist später als das Erscheinungsjahr des Buches – wird am wahrscheinlichsten daher rühren, daß die Schließen und Beschläge von einem geliebten, wohl unansehnlich gewordenen, weil zuvor länger benutzten Gesangbuch entfernt und für das neue, hier vorliegende wiederverwendet wurden.

ENTHÄLT: GEISTLICHE UND LIEBLICHE LIEDER, welche der Geist des Glaubens durch Doct. Martin Luthern, Johann Hermann, Paul Gerhard, und andere seine Werckzeuge, in den vorigen und jetzigen Zeiten gedichtet, und die bisher in Kirchen und Schulen … der Brandenburg(ischen) Lande bekandt, und … gedrucket und eingeführet worden. Nebst einigen Gebeten und einer Vorrede von J. Porst. Berlin, König für Schatz, 1749 (gestoch. Titel: 1750). Schmal-12º. Mit doppelblattgr. gestoch. Titel. 12 Bl., 794 S., 15 Bl., 64 S. – Vgl. Fikenscher VII, 115, 6. Holzmann/Bohatta 2364 (Herausgeber fälschlich Johann Forst). Schüling 2178-2182. – Noch nicht [Januar 2021] im VD 18. – "Eines der wichtigsten deutschen Gesangbücher der späten Barockzeit. Sein Herausgeber Johann Porst (1668-1728), stammte aus einem kleinen Orte bei Bayreuth, war als ein von Spener und A. H. Francke stark beeinflußter Prediger in Berlin tätig und wurde 1713 von Friedrich I. zum Probst ernannt. Sein verdienstvolles Gesangbuch erschien erstmals (anonym) 1708 und darauf in vielen Auflagen bis zum Jahre 1901: Porst selbst vermehrte die Ausgaben zu seinen Lebzeiten und berücksichtigte besonders das 17. und 18. Jahrhundert, so enthält diese Sammlung von insgesamt 925 Stücken über 300 Lieder der schlesischen Barockdichter und etwa 250 Choräle aus den Spenerschen, Hallensischen u. a. pietistischen Kreisen, deren Texte z. T. sonst kaum noch zugänglich sind" (Seebaß, N. F., 753). – Trotz der insgesamt weiten Verbreitung des Werkes ist es in der vorliegenden Ausgabe selten.