547: FIKTIVE BÜCHER – SAMMLUNG –

Vier Drucke mit Verzeichnissen fiktiver Bücher. O. O., Dr. und Jahr (wohl Nürnberg, um 1780/1800). 8º (1) und 4º. Jeweils Doppelbl. Lose in altem Papierumschl. (129)
Schätzpreis: 600,- €
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Ergebnis: 4.000,- €


Drei der Drucke sind von uns weder bibliographisch noch in öffentlichem Besitz nachweisbar. Die meisten oder alle Schriften dürften in Nürnberg gedruckt worden sein; das ist aus der inhaltlichen Ähnlichkeit mit satirischen Kleinschriften zu schließen, wie wir sie in unserer Katalognummer 724 anbieten, zudem aus regionalen Bezügen in den vorliegenden Texten, die eindeutig auf Nürnberg hinweisen (etwa die Dielinggasse [die heutige Theresienstraße] oder Gostenhof, der Name eines Nürnberger Stadtteiles). Die Titel sind immer Kopftitel und lauten:

I. Einheimische Frag – und Anzeige-Nachrichten, wovon ein Theil zu errathen und der andere zu erfragen ist. 4º. Doppelbl. – Enthält neben einer etwa eine Seite umfassenden Rubrik "Folgende Bücher und Kupferstiche sind um beigesetzten billigen Preiß zu bekommen" mehrere weitere Abschnitte ("Vermischte Nachrichten" und anderes).

II. Fantastens neueröfnetes Kunst – und Rarität-Bücher-Cabinet, nebst vermischten Nachrichten. 8º. Doppelbl. – Auf 2 Seiten ein "Verzeichniß von Büchern", auf den beiden anderen "Vermischte Nachrichten".

III. (Recknagel, J. G.), Wöchentliche Frage – und Anzeige-Nachrichten. Ein Extrablatt. 4º. Doppelbl. – VD 18 13815725 (von dort stammt die ermittelte Verfasserangabe, ein Hinweis auf die Herkunft dieses Wissens wird nicht gegeben, außerdem kein Erscheinungsort verzeichnet ["nicht ermittelbar"]).

IV. Verzeichniß neuer Bücher für allerley Stände auf Veranlassung derselben. 4º. Doppelbl. – Auf allen vier Seiten ausschließlich fiktiven Büchern gewidmeter Druck.

Alle Drucke mit unterschiedlichen Alters – und Gebrauchsspuren (horizontale und vertikale Faltspuren, angestaubt, leicht fleckig, gebräunt).

Provenienz: Zunächst in der Bibliothek des Tonsetzers Gottlieb Theodor Pilz (1789-1856), dann in die einschlägige Sammlung von Emil Meyer-Stallupönen gelangt, von dort über Fürböters Antiquariat erneut in die Bibliothek eines bedeutenden Musikwissenschaftlers gekommen (Otto Jägermeier; 1870-1933). Aus dieser Sammlung hat der gebürtige Nürnberger Isaak Jasomirgott Mierscheid (1900-1965) die Drucke erworben und sie seinem Sohn hinterlassen, dem 1933 geborenen bekannten SPD-Politiker Jakob Maria Mierscheid (dessen vollständige politisch-satirische Büchersammlung, in der zahlreiche verschollene und weitere bisher unbekannte Drucke enthalten sind, in der kommenden Auktion 76 von uns versteigert werden wird).