54: CRAMER-KLETT – TAGEBUCH VON THEODOR VON CRAMER-KLETT JUNIOR. (1874-1938).

Meist München, dat. 1. 10.90 – 30. 9. 1892. Ca. 120 Bl. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. über Holzdeckeln mit Wappen in Lederschnitt auf dem Vorderdeckel, 4 ziselierten Eckbeschlägen und 2 intakten Schließen. (minimale Altersspuren). (156).
Schätzpreis: 1.200,- €
Ergebnis: 2.800,- €


Tagebuch aus der Schulzeit des einzigen Sohnes des Nürnberger Industriellen Theodor von Cramer-Klett (1817-1884), später Reichsrat der Krone Bayerns und Mitglied der Gesandtschaft Bayerns am Heiligen Stuhl. – Das aufwendig gebundene Tagebuch war laut dem Widmungseintrag, datiert München, 12. 4. 1889, ein Konfirmationsgeschenk des Geodäten Karl Max von Bauernfeind (1818-1894).

Theodor von Cramer-Klett junior besuchte bereits seit 1887 das Münchner Maximiliansgymnasium. Seine regelmäßigen Aufzeichnungen in oft recht flüchtiger Kurrentschrift geben Aufschluß über seine humanistische und religiöse Erziehung und das gesellschaftliche Leben der Familie, über Spazieränge, Lektüren, Theater – und Opernbesuche. Eine enge Freundschaft verband den Tagebuchschreiber offenbar mit den Familien des Generals Theodor von Bomhard und eines Oberst Leonhard. Cramer-Klett junior vertraut dem Tagebuch auch seine Verliebtheit in eine Sängerin namens Johanna (auch Hanna) an, die bald durch die ebenso intensive Schwärmerei für die Sopranistin Irene Abendroth (1872-1932) abgelöst wurde. Ausflüge führten nach Nürnberg, Regensburg und an den Rhein sowie nach dem Abitur in die Niederlande. Immer wieder berichtet der Jüngling auch über seine Fortschritte im Reiten oder Erlebnisse bei der Jagd. Die Sommerferien und die Zeit nach dem Abitur verbrachte er im Familiensitz Hohenaschau am Chiemsee.

Dort verfaßte er auch das Schlußwort: "Zwei Jahre hat dieses Buch in sich aufgenommen, viel Freude und auch manches Traurige. Das Gymnasium, das Absolutorium liegen dazwischen, manch interessantes und pikantes. Ich schließe dieses Buch mit einem innigen Dankgefühl gegen die Gottheit, die mich gemäß ihrer Liebe und Gnade durch diese zwei Jahre geleitet hat." – Minimal fleckig.