53: CORVIN, O. VON,

Schriftsteller (1812-1886). 52 e. Briefe mit e. U. (zus. ca. 90 Seiten). Dat. Berlin, Wien u. a., 1873-78. Meist 8º. – Meist Doppelbl. mit eingedrucktem Wappen. Lose, meist in separatem Umschlag, in Pp.-Kassette d. Zt. (Gelenk gering eingerisssen und etw. brüchig, leicht beschabt). (146)
Schätzpreis: 1.400,- €
Ergebnis: 700,- €


Otto von Corvin (Geburtsname Otto Julius Bernhard von Corvin-Wiersbitzki) wurde als einer der Anführer der Deutschen Revolution im Elsaß und am Oberrhein 1849 zum Tode verurteilt, jedoch begnadigt und einige Jahre in Bruchsal inhaftiert. Er arbeitete als Publizist unter anderem für die New York Times oder die Gartenlaube und nahm als Sonderberichterstatter am amerikanischen Sezessionskrieg teil. Bekanntheit als Schriftsteller erlangte er vor allem durch seinen Angriff auf die katholische Kirche, zuerst unter dem Titel "Historische Denkmale des christlichen Fanatismus" und später als "Pfaffenspiegel" aufgelegt.

Unsere Briefe sind sämtlich an die Redaktion der Zeitschrift "Über Land und Meer" in Stuttgart gerichtet, die von 1858-1877 von dem Schriftsteller Friedrich Wilhelm Hackländer (1816-1877) herausgegeben wurde; einige Briefe wenden sich direkt an Eduard Hallberger (1822-1880), den Mitbegründer des illustrierten Unterhaltungsblattes, oder an den Verleger Karl Hallberger (1823-1890). – In vielen Briefen finden sich Anstreichungen oder Vermerke der Empfänger und auch die sorgfältige Archivierung in chronologischer Ordnung geht zweifellos bereits auf die Empfänger zurück. Die Mehrzahl der Briefe (46) stammt aus den Jahren 1873/74. Otto von Corvin bemühte sich in dieser Zeit zunächst von Berlin aus vor allem um die Herausgabe der Memoiren der Prinzessin zu Salm-Salm, der Gemahlin des Felix Prinz zu Salm, eines Teilnehmers am Amerikanischen Bürgerkrieg. Die Memoiren erschienen 1875 unter dem Titel "Zehn Jahre aus meinem Leben, 1862-1872" in Stuttgart. Im Sommer 1873 berichtete Otto von Corvin als Repräsentant der Northern Pacific Railroad Company aus Wien von der Weltausstellung. Öfter ist von Manuskripten oder Artikeln die Rede, etwa "Aus meinem Menschen-Herbarium", von der "Weltausstellungsplauderei" oder auch von einer geplanten Novelle über den Amerikanischen Bürgerkrieg. Im Frühjahr 1874 zog Otto von Corvin nach Bonn in das Haus der Prinzessin Salm, um das Manuskript der Memoiren zu vollenden; später lebte er in Kreuzwertheim und in Wertheim in einem Schlößchen der Familie Löwenstein-Wertheim, wo er unter anderem an der "Goldenen Legende" arbeitete, die er in "derselben Weise" wie den Pfaffenspiegel schreiben wolle. Die wenigen Briefe aus den Jahren 1877/78 drehen sich um verschiedene Artikel, die in "Über Land und Meer" veröffentlicht werden sollten.

Bei wenigen Briefen ist das Wappen herausgeschnitten, einzelne mit geklebten Einrissen oder knitterig, sonst nur geringe Altersspuren. – Mod. Exlibris. – Beiliegen einige Zeitungssausschnitte mit Rezensionen.