5086: AACHEN, HANS VON

(Köln 1552-1615 Prag), Donna Venusta mit jungem Mann. Lavierte Federzeichnung auf Büttenpapier. Sign., ortsbezeichnet "Ro"(mae), dat. "a(nn)o 158(1)". 14,4 x 9,8 cm. (90)
Schätzpreis: 2.000,- €
Ergebnis: 150.000,- €


Die kleinformatige Zeichnung zeigt ein fröhliches Paar bei Wein und Lautenspiel: eine junge Dame mit der Laute in Ganzfigur, hinter ihr ein Mann mit Turban, in der erhobenen Hand eine Weinschale, die andere liegt auf einem aufgeschlagenen Buch. Unter dem Buch lugt eine Art Blasinstrument hervor. Auf dem Boden vor dem Tisch ist, vom Bildrand angeschnitten, eine Vase oder ein Krug zu sehen. – Das Blatt steht in der Tradition der holländischen Genremalerei und läßt an allegorische Darstellungen zu den Sinnen – hier Gehör und Geschmack – und Sittenbilder der Zeit denken. – Der deutsche Maler Hans von Aachen, der seine Ausbildung in seiner Heimatstadt und ganz unter niederländischem Einfluß erhielt, reiste 1574 nach Italien. Dort hielt sich der Künstler zunächst in Venedig auf, kurz danach zog er nach Rom. Hier, wie die Ortsbezeichnung bezeugt, entstand die signierte und datierte Zeichnung. Sie diente als Vorzeichnung zu einem Gemälde gleichen Sujets, bei dem von Aachen jedoch eine wichtige Änderung vornahm, wie Rüdiger an der Heide in seinem Artikel zu der Zeichnung ausführt (Weltkunst 1979, S. 452-453). Der Künstler hat auf dem Gemälde den jungen Mann durch ein Selbstporträt ersetzt. Die Zeichnung galt wohl eher der Vorbereitung der Komposition. Durch Überlieferungen von Karel van Mander (1548-1606) ist jedoch für beide Werke die Identität der dargestellten Frau gesichert. Es handelt sich um ein Porträt der für ihr Lautenspiel bekannten Donna Venusta, der Schwester des Künstlers Anthonis Santvoort (1552-1600). Im Vergleich zu unserem Blatt ergeben sich für das Gemälde noch weitere Änderungen. Der Bildausschnitt des Gemäldes ist deutlich kleiner, die Dargestellten sind nur in Halbfigur wiedergegeben. Anstelle des Gefäßes am Boden und des Blasinstruments auf dem Tisch wurden Trauben stillebenartig vor dem Buch plaziert. Diese Änderungen belegen, daß es sich hier um eine Vorzeichnung, einen ersten konzeptionellen Entwurf zu dem Gemälde handelt und wohl zunächst einfach nur einen vergnüglichen Abend in geselliger Runde festhält. – Kaschiert, mit leicht beschabten Rändern, wenig fleckig. – Süddeutscher Privatbesitz bis 1974, dann von Karl und Faber am 28. November 1974 versteigert (Nr. 1), seither erneut in bayrischem Privatbesitz.

Donna Venusta with young man. Washed ink drawing on laid paper. Signed and dated "Ro(mae) anno 158(1)". 14,4 x 9,8 cm. – German painter Hans von Aachen, trained in his hometown under Dutch influence, travelled to Italy in 1574. There he spent some time in Venice and shortly after moved to Rome, where he created our drawing, like the signature and date suggest. It serves as a preliminary drawing to a painting of same subject, with one important adjustment: in the painting the artist replaced the young man with a portrait of himself. Our drawing was probably just a study of the composition. – Mounted on thin paper, slightly scratched margins, a little soiled. – Till 1974 this work was part of a private collection in Southern Germany, then auctioned off by Karl & Faber on November 28th, 1974 (lot no. 1), since then in a Bavarian private collection.