46: BREMEN – FOCKE – SMIDT

Ca. 100 hs. Briefe der Bremer Familie Smidt mit zus. ca. 400 S. Meist Bremen, dat. 14. 7. 1842 – 4. 10. 1854. Meist 8º. Meist Doppelblätter. – Viele mit blindgeprägtem gekrönten Signet von Dorothea Smidt "D. S." (20)
Schätzpreis: 800,- €


Umfangreiches Konvolut familiärer Briefe in zierlicher Kurrentschrift. – Die weitaus überwiegende Mehrzahl der Briefe schrieb Anna Dorothea Charlotte Smidt, geb. Focke (1817-1893), die Gattin des Bremer Kaufmanns Johann Friedrich Gustav Smidt (1809-1887), an ihre Schwägerin Julie Charlotte Wilhelmine Smidt, genannt Mine (1815-1913). Die Briefe zeugen von der langjährigen vertrauten Beziehung der beiden Frauen. Dorothea "plaudert" immer wieder ausführlich über das häusliche Leben, Kinder, Krankheiten und Alltagssorgen. Mehrere Briefe sind an die Eltern des Kaufmanns Smidt in Frankfurt gerichtet, den ehemaligen Bremer Bürgermeister Johann Smidt (1773-1857) und seine Gattin Johanne Wilhelmine, geb. Rohde (1777-1848). Besonders intensiv wurde die Korrespondenz in den Jahren 1848 und 1849 gepflegt. So kommen in den Briefen auch die Revolutionsereignisse zur Sprache: "Hast du in Frankfurt auch die Barrikaden gesehen und wie die Soldaten gekommen sind, bist du auch darauf gewesen …" Der Aufenthalt der amerikanischen Fregatte St. Lawrence in Bremerhaven 1848 wurde als gesellschaftliches Ereignis gefeiert: "Die Lieutenants und Midschipmen … haben uns mehrere Male besucht, unsere Herren waren glücklich darüber … Hannchen fing sogleich Feuer … besagten Offizieren zu Ehren war vorigen Dienstag das erste Casino, wir steckten uns allesamt in unsere besten Kleider …" Unter den Briefen findet sich etwa auch die Anzeige der Geburt der Zwillinge Hermann Woldemar und Malwina Wilhelmine 1846 durch den Vater an seine Eltern oder ein Kinderbrief des älteren Sohnes Hans an die Großmutter. – Tls. mit Randschäden, gering fleckig. – Wertvolle Quelle zur bürgerlichen Gesellschaft des späten Biedermeier in Bremen.