442: AERONAUTIK – LUFTSCHIFFAHRT – KIELLUFTSCHIFFE – SCHÜTTE –

Sammlung von fünf Dokumenten (meist masch. Durchschläge) zur Entwicklung und Patentanmeldung für die Konstruktion von Kielluftschiffen, u. a. durch den Luftschiffkonstrukteur Johann Schütte. Dat. Berlin 1913-28. Fol. Mit 2 Bleistiftzeichnungen und 4 Darstellungen von Schemata in Reproduktion (Blaupausen und Lichtdrucke). Zus. ca. 40 Bl. Lose, ohne Einband. (120)
Schätzpreis: 300,- €
Ergebnis: 440,- €

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Die Kielluftschiffe, auch halbstarre Luftschiffe genannt, sind eine Sonderform des Luftschiffbaus, bei der Teilskelette verwendet werden. In Frankreich hatte Lebaudy bereits kurz nach 1900 derartige Luftschiffe konstruiert, in Deutschland der Major Groß, ein Gegner des Grafen Zeppelin. In den vorliegenden Akten ist eine Konstruktionsidee dokumentiert, deren Besonderheit darin besteht, "dass der Gastragkörper in seinem Inneren mit einem als Laufsteg ausgebildeten Kiel versehen ist". Das Hineinverlegen in das Innere des Tragkörpers sollte das Luftschiff bei Bodenkontakt besser vor Beschädigungen schützen. Patentanmelder ist der große Konkurrent Zeppelins, der Schiffs – und Luftschiffkonstrukteur Johann Schütte (1873-1940) gewesen, der im Ersten Weltkrieg sogar der erfolgreichste Konstrukteur von Kriegsluftschiffen war. Wegen seiner in Kriegszeiten angemeldeten Luftschiffpatente prozessierte er vor allem gegen die Luftschiffbau Zeppelin, um eine Entschädigung für deren Benutzung seiner Patente zu erhalten. Dieser Prozeß endete 1924 in einem Vergleich, der den Ruin seiner Firma bedeutete.

Das erste Dokument umfaßt die Jahre 1913-17 (zehn Blätter); hier sind Eingaben an das Kaiserliche Patentamt in Berlin zusammengefaßt (in der Anlage drei originale Schemazeichnungen auf zwei Blättern, es fehlt das Titelblatt, in einer beiliegenden Zweitschrift mit Blaupausen der Darstellungen ist dieses jedoch vorhanden). – Auf einem undatierten Durchschlag auf türkisfarbenem Papier (drei Blätter) sind Entwicklungsideen eines Hans Strobl, Berlin-Tempelhof, wohl eines Mitarbeiters von Schütte, zur Luftschiffgashülle beschrieben. Strobl schlägt vor, "dass nur mehr die untere Hälfte der Gasbehälter aus faltbarem Material hergestellt wird, während die obere Hälfte aus starrem Material, wie z. B. Aluminiumblech oder dergl., besteht", um das Durchfeuchten der bisher oft stark hygroskopischen Materialien zu vermeiden. Eine "Richtigstellung" vom 28. Januar 1922 betrifft bereits den Prozeß um die Patentrechte, darin interessante Erläuterungen zur Technik von Schüttes Erfindungen und ihren beabsichtigten Wirkungen. Aus der Zeit nach dem Vergleich von 1924 liegt die Kopie einer weiteren Patentangelegenheit der Luftschiffahrt vor, hier angemeldet von den Siemens-Schuckert-Werken in Berlin, betreffend die "Landevorrichtung an Starrluftschiffen zum Niedergehen auf Wasserflächen", ein Vorgang, der sich bis zum Jahr 1928 hinzog (Umfang: 14 Blätter).

Leichte bis stärkere Gebrauchsspuren. – Beiliegen zwei Telegramme der deutschen Reichspost von 1940, die Umschläge jeweils mit einem Zeppelin und einem Wasserflugzeug über dem Meer illustriert.