43: MUSIKMANUSKRIPTE – SAMMLUNG –

Ca. 20 Notenhandschriften in Heften und Sammelalben. Spätes 18. bis Ende des 19. Jhdts. Meist Querformate von Oktav bis Folio. Verschied. Einbände d. Zt. (Gebrauchsspuren), tls. auch ohne Einband. (3)
Schätzpreis: 400,- €
Ergebnis: 200,- €


Obwohl diese Zusammenstellung von musikgeschichtlichen Rara hauptsächlich aus Abschriften und Arrangements von heute nur noch wenig bekannten Werken besteht, finden sich darunter auch einzelne gänzlich unbekannte Musikstücke, so ein Klavierstück "Variations brillantes sur l’air Tirolien: das Flaschel" von einer Fanny von Schmitz (fünf Blätter), ein Streichquartett (ohne die erste Violinstimme) mit der Signatur des kaum mehr bekannten Hamburger Violonisten Johann Bröck(e)l, wohl um 1830/40, und die "Erinnerungstöne", die der Schriftsteller Konrad Beyer (1834-1906) seinen Kommilitonen gewidmet hat, wohl 1853 entstanden, möglicherweise sogar ein Autograph dieser Gelegenheitskomposition.

Unter den bekannten Stücken besonders interessant ein Notenheft in recht flüchtiger Handschrift, wohl aus der Zeit der Entstehung, mit Auszügen aus Naumanns Oper Cora (1782), und die Klavierstimme des Concertino Op. 73 von Johann Nepomuk Hummel, ebenfalls in einer Abschrift der Zeit. Ein Klavieralbum in verschiedenen, teils recht groben Handschriften ist vor allem durch einen "Trauermarsch v. Beethoven" am Anfang bemerkenswert, ein untergeschobenes Werk, hier in b-Moll. Im RISM (ID 1001001804) ist das Stück, dort in a-Moll, in einem um 1864 datierten Manuskript verzeichnet, und aus dieser Zeit könnte auch unser Album stammen, das ein Monogramm "B.L." auf dem Deckel trägt.

Ferner liegen vor mehrere Sammlungen von Kunstliedern, darunter ein 60 Nummern umfassendes Album mit heute meist nur noch wenig bekannten Liedern der Romantik, datiert 1842, und ein ebenso recht umfangreiches Album, ein Weihnachtsgeschenk aus dem Jahre zuvor (1841) von einer Großmutter an ihre Enkelin Pauline Friederike Zorn (1823-1901) aus Kempten in sehr schöner, sauberer Handschrift auf kräftigem Papier sowie ein Liederheft, wohl um 1870/80, das Kompositionen unter anderem von Wilhelm Taubert (1811-1891) und Joseph Schulz (1836-1919) enthält. Beliebte Tanzmusik vom frühen bis in das späte 19. Jahrhundert, vieles davon heute fast vergessen, findet sich in mehreren Handschriften, darunter ein Album, das neben Tanzstücken auch eine Vanhall-Sonate enthält, ein Heft mit dem "Weltumsegler-Galopp" von Franz Xaver Chorherr und dem "Carolus-Walzer" von Pleyer sowie ein Album zu vier Händen aus dem späten 19. Jahrhundert mit einem nachgebundenen seltenen Druck, der ersten Suite für zwei Klaviere E-Dur, Op. 22, von Auguste Marquerie (1815-1864). Einige Bände enthalten Auszüge aus Opern und Singspielen, die in der Zeit um 1800 bis in das mittlere 19. Jahrhundert populär waren, darunter "Fauchon, das Leyermädchen", die Ouvertüre zu "Dichter und Bauer" von Suppé, ein Album mit Opernarien in Klavierarrangements, eingeleitet von musiktheoretischen Ausführungen etc. Ein Heft mit Harmoniestudien, einzig den Sextakkorden gewidmet, stammt von einem Studenten der (Kirchen-)Musik mit Namen F. Gemperlein, angefertigt im Jahr 1858 im Winter – und Sommersemester. Von Gemperleins Hand auch die Ouvertüre zu Weigls "Schweizerfamilie" und eines "Rondino" von Leopold Jansa, beides für Streichquartett; dazu eine Abschrift des Streichquartetts in G-Dur von Ignaz Pleyel, Benton 332, von der Hand eines anderen Kopisten. Ferner ein Choralbuch eines Kirchenmusikers und ein Chorstimmenheft. – Teils stärkere Gebrauchsspuren.