42: VORMÄRZ – UNGARN – "DIE GLOCKE"

(Kopftitel). Abschrift eines Artikels, der in der beschlagnahmten Ausgabe der "Deutschen Tribüne" vom 4. November 1831 erschienen war. Deutsche Handschrift auf Papier. Nicht dat. Wohl Ungarn 1833. 4º. Mit kalligraphiertem Titel. 32 Bl. Pp. d. Zt. (Bezug mit kleiner Fehlstelle, beschabt und bestoßen). (9)
Schätzpreis: 300,- €


Der Artikel "Die Glocke oder Welche Vortheile zieht das Haus Österreich aus Ungarn und wie dankt es den Ungarn dafür?" erschien in Fortsetzungen in der "Deutschen Tribüne". Die liberale Ausrichtung der von Johann Georg August Wirth herausgegebenen Zeitschrift, die ab dem 1. Juli 1831 zunächst in München mit dem Titelzusatz "ein constitutionelles Tageblatt" erschien, führte zu ihrer Verfolgung durch die Zensur. Auch der Umzug des Verlages nach Homburg in den damals bayerischen Rheinkreis konnte das Verbot durch die bayerische Regierung nicht verhindern. Die letzte Nummer erschien noch nach der Verhaftung des Herausgebers am 21. März 1832.

Unsere Handschrift ist mit dem kalligraphierten Titel "Deutsche Tribüne. Ein Constitutionelles Tageblatt" versehen, doch ist die anschließende Orts – und Datumsangabe "München, 4t. Nov. 1833" wohl irrig. Vielmehr handelt es sich bei dem in ordentlicher Kurrentschrift nahezu ohne Korrekturen geschriebenen Manuskript wohl um eine Abschrift jener Fortsetzung des genannten Artikels, die in der beschlagnahmten Ausgabe vom 4. November 1831 erschienen war. Daß der Aufsatz, der den Forderungen der ungarischen Reichsstände Ausdruck gibt, mehrfach kopiert wurde, verrät auch ein Artikel in derselben Zeitschrift vom 16. Januar 1832 (Sp. 98): "Fast electrisch war vollends die Wirkung, welche der Aufsatz ‚die Glocke‘ auf die Gemüther hervorbrachte. Wenn schon aristokratische Grundsätze und Tendenzen darin vorherrschend waren, so fand man doch alle die mannichfaltigen Beschwerden des Landes darin treu wiedergegeben, alle Wünsche und Sympathien des Nationalgefühles angeregt und endlich alle Interessen des Reiches richtig ergriffen … Und so war es auch mit der Glocke. Sie kam, trotz aller Anstrengung der Regierung, im Original und im Nachdruck zahlreich nach Ungarn und wurde noch im Lande selbst durch unzählige Abschriften vervielfältigt" (zitiert nach der in München 2005 erschienenen Edition von Wolfram Siemann und Christof Müller-Wirth). – Das erste und neunte Blatt mit Besitzerstempel "Nagy István gyüjteménye", gering fleckig.