42: NÜRNBERG – "LEICH-CASSA-BUCH."

Deutsche Handschrift auf Papier. Nürnberg, dat. 1784-1811, mit wenigen späteren Nachträgen. Fol. Mit Schreibmeister-Initialen auf dem Titel. 2 nn., 105 num. Bl. (ohne die Blätter 18, 22-24 und 34; darunter wenige weiße), 8, 10 nn. Bl. Hldr. d. Zt. (Gelenke eingerissen, oberes Kapital läd., Bezug mit Fehlstellen, bestoßen). (8)
Schätzpreis: 800,- €
Ergebnis: 400,- €


Protokollbuch einer Leichenkasse für Nürnberger Handwerker. – Laut der Angabe auf dem Titel umfaßte die Leichenkasse, eine Gemeinschaft zur Versicherung der Begräbniskosten, 300 Mitglieder. Für jeden Verstorbenen trat ein neues Mitglied ein. Auf dem Titel und dem folgenden Blatt sind die jährlich neu gewählten "Executoren" verzeichnet, wohl allesamt professionelle Schreib- und Rechenmeister; genannt sind unter anderem Johann Paul Kaiser, Johann Christoph Port und Johann Friedrich Kiefhaber. Ihre Aufgabe bestand in der fortlaufenden Ergänzung des alphabetisch angelegten Mitgliederverzeichnisses (105 numerierte Blätter), der Anlage einer chronologischen Übersicht (8 Blätter) und der Buchführung über die Einnahmen und Ausgaben (10 Blätter). – Gelegentlich sind die Berufe der Verstorbenen genannt, darunter Goldschmiede, Gürtler, Hafner, Kupferstecher, Schlosser und Schneider; auch bei Frauen findet sich manchmal eine Standes- oder Berufsbezeichnung, etwa "Soldatenweib" oder "Dachdeckerin". Zu dem auch als Flötenvirtuose bekannten Zeichner und Kupferstecher Georg Christoph Gottlieb Bemmel (1765-1811) ist jedoch kein Beruf vermerkt (vgl. Nürnberger Künstlerlexikon, München 2007, S. 106). – Fliegender Vorsatz mit alt hinterlegtem Einriß, fleckig und gebräunt. – Hervorragende Quelle zur Sozialgeschichte sowie zu Künstlern und Handwerkern in Nürnberg.