409: BLOCKBÜCHER – APOKALYPSE – Blatt sieben mit den ersten beiden apokalyptischen Reitern (Szenen 10 und 11)

aus der fünften Blockbuch-Ausgabe der Johannes-Apokalypse. Altkolor. Holzschnitt auf Papier (Reiberdruck). Deutschland, um 1468. 25,5 x 19,9 cm (Blattgr.: 27,8 x 20,3 cm). (188)
Schätzpreis: 18.000,- €
Ergebnis: 32.000,- €


Schreiber, Manuel, IV, 165-166, Ed. V. Blockbücher des Mittelalters, Mainz 1991, S. 91. – Sehr gut erhaltenes Blatt im kräftigen zeittypischen Kolorit des späten Mittelalters mit der kompletten Darstellung einschließlich der Einfassungslinie. – Blockbücher, deren Entstehungsgeschichte noch in die Zeit vor der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern in das frühe 15. Jahrhundert zurückgeht, dienten der bildlichen Veranschaulichung religiöser und moralischer Texte am Ausgang des Mittelalter. In der Entwicklung des Drucks als dem kommenden Massenmedium der Neuzeit haben sie eine bedeutende Rolle gespielt. Offenbar war der Bedarf nach reproduzierbaren illustrierten Texten in der Zeit bereits sehr hoch, denn die Erfindung traf auf fruchtbaren Boden. Mittels des Holzschnitts konnten nun Bilder und Texte von Handschriften, die als Vorlage dienten, einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Bekannt geworden sind 33 Werke in über 100 verschiedenen Ausgaben. Insbesondere die Apokalypse wurde in vielen verschiedenen Ausgaben und Fassungen als Blockbuch produziert.

Das vorliegende Blatt mit den beiden apokalyptischen Reitern stammt aus einem xylographischen Blockbuch, das heißt, Bilder und Texte sind aus einem gemeinsamen festen Druckstock geschnitten. Die Blockbücher der Apokalypse sind eine besonders große und wichtige Gruppe unter den Blockbüchern des Spätmittelalters; unser Blatt stammt aus der fünften nachweisbaren Ausgabe. Zusammen mit der sechsten Ausgabe bildet diese die dritte Gruppe der Blockbücher der Apokalypse. Von dieser Ausgabe sind mehrere komplette Ausgaben erhalten. Sie haben einen Umfang von 24 Blättern mit insgesamt 92 Szenen. Die Druckfarbe der fünften Ausgabe ist Schwarz, wie das auch bei unserem Blatt der Fall ist. Auf Grund des stark durchschlagenden Drucks durch die Technik des Reibers, vor allem bei den Linien der Darstellungen, wurden die einzelnen Blätter von spätmittelalterlichen Holzschnitt-Blockbüchern in der Regel nur einseitig bedruckt. Die Bayerische Staatsbibliothek in München besitzt ein mit 48 Seiten (24 Blättern) komplettes Exemplar dieser Blockbuch-Apokalypse (Signatur: Xylogr. 3). Im Vergleich mit diesem zeigt unser Blatt ein im Spektrum der verwendeten Farben etwas reicheres Kolorit, vor allem bei dem im biblischen Text als rot beschriebenen Pferd des zweiten Reiters, das auf unsererem Blatt ein kräftiges, in der Zeit sehr typisches Orangerot aufweist. – Das Wasserzeichen ist auf unserem Blatt nur schwer zu erkennen; es dürfte sich um ein ähnliches Motiv wie die Traube des Exemplars in der Bayerischen Staatsbibliothek handeln.

An den Vertikalen bis tls. in die gedruckte Einfassungslinie beschnitten, diese auch mit kleinen Ausbrüchen, an den Horizontalen schmale weiße Ränder in der Breite von ca. 1-1,5 cm, Verso mit zum Teil abgelöster und ausgerissener Hinterlegung wohl des 19. Jhdts., leicht gebräunt und fleckig.

Apocalypse. Leaf seven with the first two apocalyptic horsemen (scenes 10 and 11) from the fifth block book edition of the Apocalypse of John. Woodcut on paper in contemporary hand colouring. Germany, around 1468. 25,5 x 19,9 cm (leaf size: 27,8 x 20,3 cm). – Very well preserved leaf in strong typical colouring of the Late Middle Ages with the complete illustration including borderline. – Cropped at vertical lines and partly till printed borderline, the latter also with small breaks, the horizontal lines with blank margins of about 1-1,5 cm, verso with partly detached and torn backing, probably of the 19th century, slightly browned and soiled.