4: NEUDÖRFFER – SCHREIBMEISTERBUCH

von Anton Neudörffer. Deutsche und lateinische Handschrift auf sehr feinem Pergament. Wohl Nürnberg, dat. 1598. Ca. 15 x 19 cm. Mit in Gouache illustriertem Titel, zwei Initialen in Gold auf ornamentiertem Grund, einigen Bordüren mit Drolerien und Groteskenornamentik sowie zahlr. goldgehöhten Schreibmeister-Initialen in roter, brauner und schwarzer Tinte. 26 einseitig beschriebene Bl. (inklusive Titel), von alter Hand foliiert. Mod. Flex. Pgt. in mod. Hldr.-Kassette. (200)
Schätzpreis: 40.000,- €
regelbesteuert 19% MwSt.
Ergebnis: 95.000,- €


Der Titel des prachtvollen kleinen Schreibmeisterbuches zeigt das Wappen des Schreib – und Rechenmeisters Anton Neudörffer (1571-1628) in einem Medaillon, umgeben von Groteskendekor und getragen von zwei geflügelten Putten, darunter der Titel in einer mit Rollwerk gerahmten Schrifttafel: "Antonius Newdorffer / Rechenmeister und Modist Ao. 1598".

Der in Nürnberg geborene Anton Neudörffer vervollkommnete seine in der Heimat begonnene Ausbildung in der Schreibkunst, die bereits sein Großvater Johann Neudörffer als einer der bedeutendsten Meister seiner Zeit ausgeübt hatte, in Köln, Frankreich und Italien. Er unterrichtete in Nürnberg zahlreiche Schüler und wirkte zuletzt in Regensburg. Sein Hauptwerk ist ein Rechenbuch, mit dem Titel "Künstliche und ordentliche Anweyßung der gantzen Practic", 1599 in Nürnberg erschienen. In seiner Schreibkunst profitiert er von den Vorarbeiten des Großvaters: "Anton Neudörffer … bringt im Jahre 1601 außer einer ‚Mit fleiß corrigierten‘ Neuauflage des Gesprächsbüchliens im gleichzeitig erschienenen zweiten Teil seiner ‚Schreibkunst‘ – ‚Teutsche Versal Alphabet‘ – eine umfangreiche Auswahl aus dem großväterlichen Erbe" (Werner Doede, Bibliographie deutscher Schreibmeisterbücher von Neudörffer bis 1800, S. 14).

Unser Büchlein enthält 25 hervorragende Proben seiner Kunst. In kurzen Bibeltexten variiert er die wichtigsten Schriftarten seiner Zeit, Textura, Druck – und Schreibfraktur, Bastarda, Antiquaminuskel, Antiquakursive und Kapitalis. Er zeigt dabei nicht nur seine Meisterschaft in den virtuos verschlungenen Schreibmeister-Initialen, geziert mit feinstem Lineament, sondern beweist in fantasievollen Grotesken auch seine Vertrautheit mit der Kunst Italiens. – Tls. etw. knapp beschnitten, minimal fleckig.

Provenienz: Mark Lansburgh, vgl. den Katalog "Two Thousand Years of Writing" (Baltimore 1965), Nr. 87, mit Abbildung von Bl. 24; damals noch im Einband des 17. Jahrhunderts; vgl. Tenschert/König, Leuchtendes Mittelalter, Bd. VI, 1993, Nr. 64.

Scribe’s book by Anton Neudörffer. German and Latin manuscript on very fine vellum. Possibly Nürnberg, dated 1598. Title illustrated in opaque colour, 2 initials in gold on ornamental backdrop, few bordures with drolleries and grotesque ornaments, as well as various gilt scribal initials in red, brown and black ink. 26 sheets (inscribed on one side). – The title of this magnificent little scribe’s book shows the coat of arms of the scribe and arithmetician Anton Neudörffer (grandson of Johann Neudörffer) in a medallion surrounded by grotesque decoration and carried by two winged putti, below the title in a scroll-framed title panel. Our book with 25 marvelous examples of this craft. Neudörffer varies in short bible verses the most important scripts of his time, textura, print and scribal fracture, bastarda, antiqua minuscule, antiqua cursive and capitalis. He not only shows his mastery of the virtuosic intertwined scribal initials, adorned with the finest lineaments, but also demonstrates his familiarity with the art of Italy in fantastical grotesques. – Partly trimmed, minimally soiled. – Provenance: Mark Lansburgh, cf. "Two Thousend Years of Writing" (Baltimore 1965), no. 87, with illustration; then still in 17th century binding; Antiquariat Heribert Tenschert, cf. the catalogue "Leuchtendes Mittelalter" by Eberhard König and Heribert Tenschert, Bd. VI, 1993, no. 64. – Modern flexible vellum.