4: ALCHEMIE – SAMMLUNG

von alchemistischen Rezepturen. Deutsche Handschrift auf Papier. Nicht dat. Wohl Südwestdeutschland, Mitte 15. Jhdt. Fragment. 6 nn. Bl. (129)
Schätzpreis: 2.000,- €
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Ergebnis: 2.600,- €


Fragment im Umfang von zehn Seiten, bestehend aus einem Doppelblatt und vier Einzelblättern, von denen zwei nur einseitig beschrieben sind. Enthalten sind zirka 30 Rezepturen, teils unter Verwendung der alchemistischen Symbole in regelmäßiger gotischer Kursivschrift geschrieben. – Kleine Abweichungen in Duktus und Schriftgrad sind wohl durch die Beteiligung mehrerer Hände oder die Niederschrift in etwas zeitlichem Abstand zu erklären. Nur an einzelnen Stellen wurden nachträglich Korrekturen vorgenommen. – Das auf drei Blättern erkennbare Wasserzeichen, ein waagrechtes Einhorn ohne Beizeichen, konnten wir bei Piccard nicht nachweisen. Sprachliche Eigenheiten wie "han/hant" (für habe/haben) sprechen für eine Entstehung im alemannischen Sprachraum.

Die ursprüngliche Reihenfolge der Blätter und eventuelle Lücken sind nicht zweifelsfrei festzustellen; soweit wir sehen, sind die Rezepte am Seitenende jeweils abgeschlossen. Sie sind meist deutlich voneinander abgesetzt, wobei mit "Ite(m)" jeweils ein neues Rezept beginnt und am Ende oft die Worte "laus deo" stehen. – Den Beginn der Sammlung markiert wohl ein Rezept, das mit einer Anrufung der Dreifaltigkeit anfängt und endet: "Inn dem namen gott des vatters un(d) gott des suns un(d) gott des heilig(en) geists amen" und "Darum hab lob gott vatt(er) gott sun gott heiliger geist amen". – Den Abschluß der Sammlung bildet vermutlich eine sechs Zeilen umfassende formelhafte Abbitte "Nun will ich mich entschuldigen desshalben das ich nit alle ding oder wort gantz lutter geschriben han … aber den liebh[ab]ern der künst han ich den(n)acht etwas erzelt das die allte(n) un(d) nüwen philosophi lang un(d) in grosser ferborgenheit behalten hant".

Nach der erwähnten Invokation beginnt das vermutlich erste Rezept der Sammlung mit den Worten: "Wiltu von ti [d. i. Zinn] gold machen des aller besten un(d) edlisten das man in der gantzen wellt gehaben mag". Außerdem gibt es Rezepturen etwa "ein aqua vort zu machen", "ein öl zu machen von anthimoniu(m)" oder "gold von silber scheiden".

Das Doppelblatt mit Einriß im Bug, ein Blatt mit angerändertem Eckabriß (minimaler Buchstabenverlust), mittig mit Faltspur, mit kleinenRandläsuren, etw. fleckig und gebräunt.

Collection of alchemic recipes. German manuscript on paper. Not dated. Probably South-West Germany, mid 15th century. Fragment. 6 unnumbered leaves. – Fragment on 10 pages, consisting of a double page and four individual leaves, of which two are inscribed on one side only. Present are about 30 recipes, partially using alchemic symbols in a steady gothic italic script. – Double page with tear in joint, one leaf with remargined tear (minimal loss of letters), middle with crease mark, small marginal tears, somewhat soiled and tanned.