39: KAVALIERSTOUR –

Aufzeichnungen zu einer Reise über Rom und Neapel nach Sizilien. Deutsche Handschrift auf Papier. Italien 1830. 4º. Fragment. Mit 4 (2 doppelblattgr.), tls. lavierten Plänen in Tusche und einzelnen Bleistiftskizzen. S. 130-1114 (einzelne Bl. zwischengebunden). Ohne Einband. (26)
Schätzpreis: 600,- €
Ergebnis: 390,- €


Sehr umfangreiches Fragment mit tagebuchartigen Aufzeichnungen in sauberer Kurrentschrift; zahlreiche Randvermerke, Streichungen, Korrekturen und eingeklebte oder eingelegte Zettel mit Ergänzungen bezeugen, daß es sich bei unserer Handschrift um ein zur Reinschrift bestimmtes Manuskript handelt. Einzelne zwischengebundene Blätter dienen der Gliederung und Inhaltsangabe.

Unser Fragment setzt bei der Überfahrt mit einem Segelschiff nach Parenzo (heute Porec) in Istrien ein. Nach einem vierwöchigen Romaufenthalt führte die Reise mit einer "Carozze" über Albano, Genzano, Velletri, Terracina, Capua und Aversa nach Neapel. Die Weiterfahrt erfolgte mit dem Dampfschiff Francesco I. In Sizilien sind Messina, Taormina, Catania, Syrakus, Agrigent und Palermo die Hauptstationen der Reise; ferner führte eine Tour nach Malta.

Einen eindeutigen Hinweis auf den Zeitpunkt der geschilderten Reise gibt der Eintrag der Jahreszahl 1830 (wenn auch nachträglich in Bleistift) zum Beginn der Reise nach Sizilien am 15. Mai (S. 735). Auf die Identität des Schreibers, der in der Gesellschaft von zwei Kameraden reiste, konnten wir leider keine Hinweise entdecken. Bildungsbeflissen beschreibt er das gewaltige Besichtigungsprogramm und versieht seine Ausführungen reichlich mit historischen und kunsthistorischen Daten. Sein gewählter, zuweilen poetischer Schreibstil spricht für seine gehobene Bildung. Oft teilt er kleine Erlebnisse mit, wobei sein besonderes Interesse für Kaffee – und Wirtshäuser wohl auf ein noch jugendliches Alter schließen läßt. Ausführlich berichtet er etwa über das "Gärtchen von Düner, einem Schweitzer, der zugleich braunes Gerstenbier braut" nahe Sta. Maria Maggiore in Rom (S. 255/56) und über das "Café nuovo in dem Palaste Ruspoli … in dem wir manches Frühstück und manches Glas Sorbetti oder Gelati verzehrten" (S. 646). Unmittelbare Beobachtungen betreffen etwa die "Erziehung der Frauenzimmer in Rom" (S. 647-650), die dunklen Gassen "im Rione Trastevere, den Pfuhl des Pöpels" (Randvermerk S. 655) oder den "Tribut" für das "Gesinde, die Kammerdiener nämlich, und Lakayen", der für einen Besuch beim Papst fällig wird (S. 656/57). Die Pläne zeigen "Roma antigua", den Grundriß des Petersdomes, den Aetna von Catania aus gesehen und "Syracusae oggi Siragosa e suoi contorni". – Bindung gelöst, die äußeren Bl. der Lagen oft stark angeschmutzt und mit Randschäden, einzelne Randausrisse (kaum Textverlust), stellenw. fleckig. – Unbeschnitten. – Beiliegt ein Manuskript von derselben Hand (ebenfalls im Quartformat; 48 S.) mit dem Titel "Reise auf den Aetna. Ein Auszug aus meinem Tagebuche meiner Reise durch Italien und Sizilien. Meinem Gönner und Freunde Herrn Robert Edler von Ruedorfer, Consul der nordamerikanischen Freistaaten in München aus vollster Achtung gewidmet", unterzeichnet mit den Initialen "C. K."; ferner einige weitere Manuskripte (tls. Fragmente), meist mit Theaterstücken, ebenfalls von derselben Hand (ca. 80 Blätter).