3364: HUTH, WILLY ROBERT

(Erfurt 1890-1977 Amrum), Zirkusreiter. Aquarell auf braunem Papier. Sign., nicht dat. (um 1925). 42,3 x 52,4 cm. (15)
Schätzpreis: 1.200,- €
Ergebnis: 800,- €


Huth gehört zu den herausragenden Künstlern der sogenannten "verschollenen Generation". Seine Ausbildung begann 1904-06 an der Kunstgewerbeschule in Erfurt, bevor er ab 1907 eine Lehre bei dem Stuttgarter Hofmaler Paul Kämmerer anfing. In Stuttgart kam er in Kontakt mit dem erst wenige Jahre zuvor an die Akademie berufenen Adolf Hölzel. 1910 schrieb er sich dann an der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf ein und erhielt, vermittelt durch Wilhelm Kreis, 1914 den Auftrag für die Raumausmalung zur bedeutenden Ausstellung "Der Deutsche Werkbund" in Köln. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die Entwicklung des jungen Künstlers unterbrochen und er geriet in englische Gefangenschaft. Nach Kriegsende läßt er sich 1919 als freier Maler in Berlin nieder und wird Mitbegründer der expressionistischen Künstlergruppe "Jung-Erfurt". In den 1920er Jahren führen ihn Reisen durch Europa. Ende der 20er Jahre wird er Mitglied der Berliner Secession und des Deutschen Künstlerbundes. Beeinflußt durch James Ensor, finden sich nun vermehrt Darstellungen von Artisten, Gauklern und Jahrmarktszenen in seinen Werken. Zu diesem Themenkomplex gehört auch unser Blatt, das einen Artisten auf einem Pferd, wohl am Ende seines Auftritts zeigt. Die Hand an die Brust gelegt, scheint er für den Applaus zu danken, wobei die Gesichtszüge den Stolz und auch Genuß des Augenblicks verraten. Links sind zwei sehr schemenhaft dargestellte Harlekine zu sehen. Das Blatt lebt von der Dynamik der kräftigen schwarzen Umrißlinien, die mit den teils leuchtend farbig ausgefüllten Flächen konkurrieren. Blickfang ist jedoch der in hellem Gelb gekleidete Artist. – Mit zwei Randeinrissen und kleinen Nadellöchern in den Ecken. Die UV-Probe ergab keine optischen Aufheller im Papier.