3200: WOLF, CASPAR

(Muri 1735-1783 Heidelberg; Zuschreibung), Vorderaargletscher mit der Kristallhöhle am Zinggenstock. Gouache und Kreide auf Papier. Nicht sign., numeriert "53", nicht dat. (um 1775). Sichtmaß mit schwarzer Rahmung: 10,5 x 15,3 cm. – Unter Glas in vg. Rahmen um 1820 (mit Altersspuren). (17)
Schätzpreis: 10.000,- €
Ergebnis: 8.000,- €


Von einem erhöhten Standort aus gleitet der Blick in ein weites Flußtal, das von hoch aufragenden Bergen begrenzt wird. Im rechten Vordergrund haben sich acht Männer zusammengefunden. Sie stehen am Eingang zu einer Höhle an einem Bachlauf, darüber stürzen vier schmale Wasserfälle über die Felsen herunter. Die Herren sind mit unterschiedlichen Tätigkeiten beschäftigt: sie inspizieren den Eingang, tragen Gerät, knien am Boden oder betrachten etwas in ihren Händen.

Der Rahmen der Gouache ist auf der Rückseite mit einem französischen Manuskriptblatt verschlossen. Der Text mit der nur noch fragmentarisch erhaltenen Überschrift "Cristalliere du mont Zinkenberg" beschreibt, daß bei der Auffindung der Kristallhöhle im Zinggenstock im Jahr 1719 ein Bach und das herabstürzende Wasser den Eingang erschwerten. Derselbe Text findet sich in dem zuerst 1780-1782 erschienenen Mappenwerk "Vues remarquables des montagnes de la Suisse", in dem der Berner Verleger Abraham Wagner 24 Werke von Caspar Wolf publizierte. – Dieser Text barg für Thilo Arlt den Schlüssel zur Aufklärung eines Fehlers im Werkkatalog zu Caspar Wolf von Willi Raeber (1979). In seinem Artikel "Nach 300 Jahren wiederentdeckt: Die Kristallkluft von 1719 am Zinggenstock, Schweiz" (in: Lapis, Jg. 45, Nr. 6, Juni 2020), konnte Arlt darlegen, daß das Gemälde "Hochtal mit Blick gegen den Griessenfirn" (Raeber 223), das sich im Kunstmuseum in Bern befindet, die Kristallhöhle zeigt, nicht wie bislang angenommen die als Raeber 364 katalogisierte Höhlenansicht. Schließlich trug der Text zur Auffindung der Höhle im August 2019 bei.

Zwischen dem ausgeführten Gemälde und unserer Gouache sind einige Unterschiede festzustellen. Der Höhleneingang ist näher an den Betrachter herangerückt und von schroffen Felsen ohne jegliches Grün umgeben. Auch zeigt das Gemälde fünf, die Gouache acht Personen. Diese Reduzierung der Komposition führt zu einer Beruhigung und Klärung der Szenerie. Die forschenden Kristallsucher sind deutlicher in den Blick gerückt. Aus unserer Sicht spricht dies dafür, daß das kleine Blatt vor dem Gemälde entstand, also wohl als Studie diente. – Mit leichten Altersspuren, verso flächig mit Kleberesten. .

Vorderaar glacier with crystal cave at Zinggenstock; attributed to Caspar Wolf. Gouache on paper. Not signed, numbered “53”, not dated (c. 1775). – The frame of the gouache is closed on the reverse with a French manuscript sheet. The text with the fragmentary title “Cristallliere du mont Zinkenberg” describes that when the crystal cave in the Zinggenstock was discovered in 1719, a stream and the falling water made the entrance difficult. The same text appears in the portfolio “Vues remarquables des montagnes de la Suisse”, first published in 1780-1782, in which the Bernese publisher Abraham Wagner published 24 works by Caspar Wolf. – For Thilo Arlt, this text held the key to clarifying an error in the catalogue of Caspar Wolf’s works by Willi Raeber (1979). In his article “Rediscovered after 300 years” (in: Lapis, issue 6, June 2020), Arlt was able to show that the painting “Hochtal mit Blick gegen den Griessenfirn” (Raeber 223), which is in the Kunstmuseum in Bern, shows the crystal cave, not the cave view catalogued as Raeber 364, as previously assumed. Finally, the text contributed to the finding of the cave in August 2019. – There are some differences between the executed painting and our gouache. The cave entrance is closer to the viewer and surrounded by jagged rocks without any green. This reduction of the composition leads to a calming and clarification of the scenery. The crystal seekers are more clearly in view. From our point of view, this suggests that the small sheet was created before the painting, i. e. it probably served as a study. – With slight signs of age. ? Framed and glazed in a frame from around 1820 (traces of age; unopened).