3159: HANDSCHRIFTEN – VORLESUNGSNACHSCHRIFTEN – KOENIGSBERGER

"Colleg von Königsberger über Funktionentheorie." Deutsche Handschrift auf Papier. Heidelberg, dat. 5. 5.86 – 28. 7.86 und 14. 9.86. 8º. Mit einigen kleinen Skizzen in Tinte. 3 Bl., 477 S., 1 weißes Bl. Hldr. d. Zt. (Rücken stärker berieben, Kopfkapital eingerissen). (240)
Schätzpreis: 500,- €


Nachschrift nach dem Vortrag von Leo Koenigsberger (1837-1921), der von 1864 bis zu seinem Tode Mathematik in Greifswald, Heidelberg, Dresden, Wien und seit 1884 erneut in Heidelberg lehrte. Das erste Blatt bietet neben dem Titel mit dem Namen des Lehrers und der Orts- und der Semesterangabe (Sommersemester 1886) auch den Namen des Schreibers: Max Wolf. Der seinerzeit 23jährige Student ist jener Maximilian Franz Joseph Max Wolf, der sich schon bald einen Namen in der Astronomie erwerben sollte, der bis heute in dieser Wissenschaft fortlebt, im Wolf-Diagramm, im Palisa-Wolf-Sternatlas und im Mondkrater Wolf. Geboren 1863 in Heidelberg, begründete Wolf später die dortige Badische Landessternwarte, lehrte die Astronomie als Professor in seiner Heimatstadt und suchte und fand über 200 Kleinplaneten. Gestorben ist der berühmte Mann 1932. Leo Koenigsberger erwähnt ihn mehrfach in seiner Autobiographie "Mein Leben" (Heidelberg 1919).

Wolfs Nachschrift von Koenigsbergers Vorlesung über die Funktionentheorie ist in sehr gut leserlicher Antiqua geschrieben und von großer Ausführlichkeit. So umfaßt das nachträglich angefertigte, der Vorlesungsnachschrift vorangestellte Inhaltsverzeichnis allein vier Seiten mit über hundert Punkten und reicht von der historischen Einleitung über die Weierstraßreihe, den unrichtigen Integralbegriff der reellen Differentialrechnung, die Darstellung der Sinusfunktion nach der Cauchyschen Methode bis zur Eindeutigkeit der Integrale der Differentialgleichung erster Ordnung.

Beeindruckendes Zeugnis zweier bedeutender Wissenschaftler aus dem gelehrten Heidelberg am Ende des neunzehnten Jahrhunderts.