3158: HANDSCHRIFTEN – VORLESUNGSNACHSCHRIFTEN – BRILL

"Theorie der Krümmung der Oberflächen." Deutsche Handschrift auf Papier. Tübingen, dat. 1895. 8º. Mit einigen kleinen Skizzen in Tinte. 217 S. Hlwd. d. Zt. (leicht berieben, gering bestoßen). (240)
Schätzpreis: 200,- €


Nachschrift nach dem Vortrag von Alexander Wilhelm Brill (seit 1897 von Brill; 1842-1935), der von 1884 bis 1919 Mathematik in Tübingen lehrte. Das erste Blatt bietet neben dem Titel, der Orts- und der Semesterangabe (Sommersemester 1895) und dem Namen des Professors auch den Namen des Schreibers: Paul Hory, c(an)d(idatus) math(ematicae). Bleibende Spuren in der Geschichte seines Faches scheint er allerdings nicht hinterlassen zu haben. – Brill behandelte in der Vorlesung die Flächen in gewissen Punkten, die Krümmungslinien, die geodätischen Linien, sodann Zentralflächen, Flächen konstanter mittlerer Krümmung, Minimalflächen, Flächen konstanten Krümmungsmaßes und Flächen konstanten negativen Krümmungsmaßes und die Parallellinientheorie.

"Als Gelehrter von internationalem Rang gehörte B[rill] (mit Max Noether) zu den Begründern der algebraisch-geometrischen Richtung in der Theorie der algebraischen Funktionen. Seine Arbeiten haben in der Folge zu neuen Entwicklungen, namentlich durch die ital. Mathematikerschule, geführt. B[rill]s Werk geht ständig auf die rein algebraischen Ursprünge der geometrischen Probleme zurück. Sein Ziel war es, einerseits die Algebra zu geometrisieren, also jedes algebraische Problem von rein synthetischen Gesichtspunkten her zu beherrschen und geometrisch anschaulich zu erhellen, anderseits die Geometrie zu algebraisieren, d. h. die algebraische Bedeutung jeder neuen Frage sicherzustellen, welche geometrische Anschauung und Analogie nahelegen" (NDB II, 613).