3157: HANDSCHRIFTEN – VORLESUNGSNACHSCHRIFTEN – BRILL

"Analytische Geometrie." (Rückentitel). Deutsche Handschrift auf Papier. 2 Tle. in einem Bd. Tl. I: wohl Tübingen, 1890-91; Tl. II: Tübingen, dat. 1891. 8º. Mit zahlr. tls. farb. geometrischen Zeichnungen in Tinte oder in Bleistift. 357 S. (ohne die S. 1/2), 11 weiße Bl. am Ende. Hldr. d. Zt. (leicht berieben, etw. bestoßen, gering fleckig). (240)
Schätzpreis: 400,- €


Saubere Nachschrift nach dem Vortrag von Alexander Wilhelm Brill (seit 1897 von Brill; 1842-1935), der von 1884 bis 1919 Mathematik in Tübingen lehrte. Das erste Blatt, auf dem wahrscheinlich der Titel für den ersten der beiden enthaltenen Teile stand, möglicherweise auch der Name des Schreibers und die Semesterangabe, wohl das Wintersemester 1890/91, ist entfernt worden, textlich jedoch ist die Vorlesung vollständig. Sie handelt von Kreisgleichungen, von Gleichungen für Geraden und von Kegelschnitten, enthält Teile aus der Differentialrechnung und aus der Integralrechnung und klingt aus mit der Diskussion von Gleichungen zweiten Grades und mit der projektivischen Behandlung der Kegelschnitte. – Der zweite Teil beginnt auf Seite 221 und enthält die Nachschrift der Vorlesung, die Brill im Sommersemester 1891 über "Analytische Geometrie des Raumes" gehalten hat.

"Als Gelehrter von internationalem Rang gehörte B[rill] (mit Max Noether) zu den Begründern der algebraisch-geometrischen Richtung in der Theorie der algebraischen Funktionen. Seine Arbeiten haben in der Folge zu neuen Entwicklungen, namentlich durch die ital. Mathematikerschule, geführt. B(rill)s Werk geht ständig auf die rein algebraischen Ursprünge der geometrischen Probleme zurück. Sein Ziel war es, einerseits die Algebra zu geometrisieren, also jedes algebraische Problem von rein synthetischen Gesichtspunkten her zu beherrschen und geometrisch anschaulich zu erhellen, anderseits die Geometrie zu algebraisieren, d. h. die algebraische Bedeutung jeder neuen Frage sicherzustellen, welche geometrische Anschauung und Analogie nahelegen" (NDB II, 613).